Was ist beim eigenen Windrad zu beachten?

Im Artikel „Marktchance Kleinwindenergieanlagen“ berichteten wir über die strukturellen Gegebenheiten für Mini-Windräder in Deutschland. Was muss man aber genau beachten, wenn man sich dafür entscheidet, den Strom selbst herzustellen und welche Probleme stehen dem entgegen?

Wer sich dafür entscheidet, seinen Strom mit einer eigenen Anlage zu erzeugen, sollte auf jeden Fall den Standort so wählen, dass der Wind die Anlage ständig erreicht. Bedeutet laut Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen konkret, dass die Anlage alle benachbarten Hindernisse überragen muss. Zudem sollte man einen Standort wählen, an dem der Wind besonders kräftig bläst. Die durchschnittlichen Windstärken kann man über die Wetterkarten des Deutschen Wetterdienstes frei zugänglich erhalten.

Mini-Windräder erzeugen laut „Bund der Energieverbraucher“ bei 3 m/s etwa 50 Kilowattstunden und bei 4 m/s etwa 140 Kilowattstunden. Wer abschätzen möchte, wieviel Ertrag er mit seiner Anlage erwirtschaften könnte, kann dies mit einem vom Fraunhofer-Institut für Windenergie und Energiesystemtechnik in Kassel entwickelten Programm „Windmonitor“ tun.

Laut „Bundesverband der Kleinwindanlagen“ kosten kleine Anlagen zwischen 3.000 € und 5.000 € je kW Nennleistung und haben Amortisationszeiten von 15 bis 25 Jahren. Diese Preise würden sich aber laut eigenen Angaben in den nächsten 10 Jahren aufgrund der Massenproduktion reduzieren.

In Deutschland sind Mini-Windräder dennoch kaum verbreitet. Zum einen sind kleine Windräder gegenüber großen Windrädern per Enerneuerbare-Energien-Gesetz schlechter gestellt. Zudem sind Anlagen bis zehn Meter Höhe nur in Baden-Württemberg, Bayern und Sachsen genehmigungsfrei. In Nordrhein-Westfalen muss beispielsweise eine rechnerische Vorhersage der zu erwartenden Schallimmissionen eingereicht werden. Neuere Anlagen haben aber schon Räder ähnlich der U-Boot-Schrauben und drehen sich kaum hörbar.

Zum anderen zeigen Erfahrungen unzufriedener Kunden, dass das Unterfangen sehr ernüchternd sein kann. Weitere Probleme seien hier beispielhaft einmal dargestellt:

• Sehr geringe Stromausbeute von kleinen Windrädern.
• Die Anlagen gehen oft kaputt.
• Keine Winddaten für besiedelte Gebiete.
• Die Aufstellung ist schwierig.
• Die Geräuschentwicklung führt in Siedlungsgebieten oft zu Problemen.
• Oft keine oder geschönte Ertragsprognosen von Anbietern.

Zur Verbesserung der Situation schlagen wir vor, dass kleine Windräder bei der nächsten Novellierung des EEG besser gestellt werden, es eine einheitliche Genehmigungsregelung in Deutschland gibt und es wie im Artikel „Marktchance Kleinwindenergieanlagen“ berichtet, ein Mindeststandard an Qualität, Sicherheit, Lärm und Ertrag eingeführt werden soll.

Marktchance Kleinwindenergieanlagen?

Kleine Windenergieanlagen können vielseitig eingesetzt werden: mobile Batterielader mit nur ein paar hundert Watt Leistung, Netzeinspeisende Anlagen mit ein paar Kilowatt, Gebäudeintegrierte Anlagen oder Anlagen für landwirtschaftliche Betriebe von etwa 30 Kilowatt, um den Eigenbedarf zu decken.

Bisher haben sich die kleinen Windenergieanlagen auf dem deutschen Markt allerdings noch nicht so richtig durchsetzen können. Dies liegt unter anderem an der nicht ganz einfachen Standortwahl. In der Regel sind diese Anlagen an die Verbrauchernähe gebunden. In Deutschland ist das Potenzial an windreichen Standorten in niedriger Höhe eher gering. Gebäude und Vegetation verwirbeln und bremsen die bodennahe Anströmung ab. Bei der Planung solcher Anlagen wird die zu erwartende Windgeschwindigkeit und damit der Ertrag oftmals höher eingeschätzt, als er dann in der Praxis vorherrscht, so das Ergebnis einer Umfrage des Fraunhofer-Instituts für Windenergie und Energiesystemtechnik (IWES). Dies führt als Konsequenz zu unzufriedenen Nutzern.

Leider sind die strukturpolitischen Voraussetzungen in Deutschland für kleine Windenergieanlagen nicht die besten. Es fehlt an unabhängigen Tests und Typenprüfungen zur Qualitätskontrolle vorhandener Anlagen. Zudem gibt es keine Förderungen in Form von Einspeisevergütungen wie es sie beispielsweise in Großbritannien oder Portugal gibt, um so die Wirtschaftlichkeit kleiner Anlagen zu gewährleisten.

Kann sich die Technik aber in Deutschland nicht bewähren, verpasst man vielleicht die Chance, die Exportpotenziale in Schwellenländer zu erschließen. Denn diese sind laut IWES gegeben, vor allem im Bereich der Stromversorgung entlegener Mobilfunktürme oder der Elektrifizierung ländlicher Regionen.