Nächstes AKW-Unglück in den USA einfach verheimlichen?

Atomkraftwerk Das Kernkraftwerk Fort Calhoun liegt im US-Bundesstaat Nebraska nördlich der Stadt Omaha und ging mit etwa 500 Megawatt 1973 in Betrieb. Aktuell sorgen Hochwasser am Missouri in den USA für große Schäden. Bedroht ist auch das Kraftwerk, welches Ende April für einen Brennstäbeaustausch herunter gefahren wurde. Man entschied sich dafür, das AKW vorläufig noch nicht wieder hochzufahren.

Aber warum berichten keine Medien darüber? Hat man Angst, dass auch in den USA ein Umdenken passieren kann, dass auch der immer noch größte Pro-Kopf-CO2-Produzent plötzlich grün werden kann oder der Atomlobby langsam die Argumente ausgehen? Es ist gut, dass Deutschland die Vorreiterrolle übernimmt, aber erneuerbare Energien müssen weltweit fossile und nukleare Energien ersetzen.

Wie sieht der Rückbau eines AKW aus?

Atomkraftwerk Alle reden vom Abschalten alter Atomkraftwerke. Doch wie sieht der anschließende Rückbau aus und was ist dabei zu beachten? Und wo liegt der Unterschied zu einer Havarie wie etwa in Fukushima? Diese und andere Fragen beantwortete die auf Rückbau von AKWs spezialisierte Firma sat.Kerntechnik GmbH aus Worms für den Wiesbadener Kurier.

Bei einer Havarie eines AKWs wie es in Fukushima geschehen ist, muss die Erreichung eines stabilen Kühlkreislaufs erstes Ziel sein. Gleichzeitig gilt es zu verhindern, dass kontaminiertes Wasser in vorhandene Gewässer gelangt. Anschließend muss der Unglücksort mit Beton abgedeckt und für viel Wasser zur Kühlung gesorgt werden. Innerhalb eines Radius von 20 bis 30 Kilometern muss ein Sperrgebiet eingerichtet werden, das man erst nach 100 Jahren wieder betreten kann.

Erster Schritt bei einem Abbau eines Atomkraftwerks ist die Entfernung aller Brennelemente aus dem Reaktordruckbehälter. Diese werden anschließend per Castor in ein Zwischenlager gebracht. Verstrahlte Abschnitte und Anlagenteile werden in abgeteilten Unterdruckzonen mit speziellen Lösungen dekontaminiert, in Fässer eingeschweißt und auch in ein Zwischenlager gebracht. Der Reaktordruckbehälter muss ferngesteuert unter Wassereinsatz in einer Unterdruckzone zerlegt werden und ist deshalb besonders aufwendig.

Auch das Betongebäude muss erst gereinigt werden. 80 bis 90 Prozent der Materialien können recycelt werden. Laut Angaben von sat.Kerntechnik GmbH kann nach 20 Jahren wieder eine grüne Weide den Platz einnehmen. Bis dahin kann der Abbau allerdings etwa 725 Millionen Euro verschlingen, wie für das bekannteste Beispiel eines Atomkraftwerk-Abbaus Mühlheim-Kärlich geschätzt wird.

Wohnraum für unsere Japanischen Freunde

Atomkraftwerk Manch einer fragt sich, was kann ich tun, um zu helfen. Japan ist ein sehr dicht besiedeltes Land. Sollte es zum schlimmsten aller schlimmsten Fälle kommen, und die radioaktive Wolke Richtung Großraum Tokio wehen, mag man sich das Ausmaß der Katastrophe gar nicht vorstellen. In Tokios Großraum leben etwa 35 Millionen Menschen.

Eine derart große Anzahl an Menschen mit den zur Verfügung stehenden Transportmittel wie Flugzeuge, Schiffe und öffentliche Verkehrsmittel zu evakuieren, würde Monate wenn nicht sogar Jahre dauern. Und die nächste Frage ist wohin mit den Menschen in einem derart dicht besiedelten Land? Schon jetzt hat Japan Probleme mit dem Auffangen der Flüchtlinge des Erdbebens und des Tsunamis und der um das Atomkraftwerk Fukushima evakuierten Menschen.

Die Deutsch-Japanische Gesellschaft Berlin stellt Listen von deutschen Angeboten über Wohnraummöglichkeiten für Japaner zusammen. Auch von Privatpersonen wird die Hilfe angenommen. Nähere Informationen sind unter “Deutsch-Japanische Gesellschaft Berlin” und “Deutsch-Japanischer Wirtschaftskreis Berlin” zu finden.

Welche Sicherheitsstandards sind für deutsche Atomkraftwerke nötig?

Atomkraftwerk Wenn die Sicherheitsstandards für alle 17 deutschen AKWs erhöht werden sollen, müssen sie drastisch verschärft werden. Aber welche und mit welchen Kosten? Die Kosten dürften wohl wir Steuerzahler wieder bezahlen. Folgende Nachrüstungsmaßnahmen müssten in einem Konzept mit aufgenommen werden:

– Sicherung gegen Hochwasser
– Sicherung gegen Erdbeben
– Abwendung eines Stromausfalls
– Sicherung gegen Flugzeugabstürze
– Verankerung von Notstromdieselaggregate

Nach Angaben der Betreiber seien diese Maßnahmen so hoch, dass alle alten Anlagen abgeschaltet werden müssten. Selbst neuere Anlagen würden nicht mehr wirtschaftlich betrieben werden können. Es bleibt zu hoffen, dass die Politik dieses Mal nicht wieder vor der Energielobby niederkniet.

Schluss mit der Beschaulichkeit – Atomkraft jetzt abschalten!

Seit eineinhalb Jahren wohne ich nun schon im Saarland. Auch wenn hier die Energiepolitik bisher auf Kohle basiert, so schlummert die Gefahr eines ähnlichen Vorfalls wie in Japan auf französischer Seite in Form des Atomkraftwerkes in Cattenom unweit der Grenze. Hatte man sich damit bisher abgefunden und daran gewöhnt, so ist seit den Ereignissen in Japan ein anderes Bewusstsein bei den Menschen festzustellen.

Nahmen an den von Greenpeace organisierten Montagsdemonstrationen nur eine Handvoll Menschen teil, so nahm die Menschenschlange letzten Montag kein Ende. Es halte ein Schlachtruf durch die Stadt, der mir durch Mark und Bein ging: „Abschalten“ – mir kamen Tränen in die Augen. Zum einen aus Wut, dass es mal wieder eines schlimmen Vorfalls benötigte, um ein Umdenken zu bewirken, zum einen, weil meine Gedanken an die Menschen in Japan kreisten. Zum anderen aber auch, weil es nun endlich Schluss mit der sich an die Gefahr gewohnten Beschaulichkeit zu sein scheint. Die Menschen lassen sich nicht mehr vergackeiern. Sie glauben den Politikern nicht mehr die Mär einer sicheren Atompolitik. Die Demonstrationen dürfen kein einmaliges Erlebnis bleiben, wo man sich sein Gewissen erleichtern kann. Es muss zu einer Bewegung aufsteigen, bis das Ziel des Atomausstiegs geschafft ist. Lasst uns auch nächsten Montag wieder auf die Straße gehen und verkünden, dass die Zeit des Atomzeitalters zu Ende geht.

Wem das noch nicht reicht, kann aktiv dazu beitragen: mit einem Wechsel zu einem Ökostromanbieter. Dabei ist nur auf ein Gütesiegel wie “OK Power” oder “Grüne Strom Label” zu achten. Der Wechsel selber ist ganz einfach und wird vom neuen Anbieter übernommen.

Die Atomkraftwerke müssen nicht nur in Deutschland abgeschaltet werden. Zwischen 1986 und 1991 gingen die vier Reaktoren in Cattenom ans Netz. In den vergangenen Jahren registrierte das Umweltministerium in Saarbrücken etwa 750 Störfälle. Würde sich ähnliches wie in Japan ereignen, so wären sowohl die Menschen in Frankreich, als auch die Menschen in Luxemburg, im Saarland und in Rheinland-Pfalz betroffen. Es ist Zeit europäisch zu denken. Im Mai findet der nächste deutsch-französische Gipfel statt. Frau Merkel, starten Sie bitte den Beginn, Europa auch in diesem Punkte zu vereinigen.