Nelson Mandela

46664 – jeder Südafrikaner kennt diese Zahl. Es war die Häftlingsnummer des Mannes, der als 466. Gefangener 1964 auf Robben Island inhaftiert wurde, und es 30 Jahre später schaffte, aus dem international geächteten „Apartheid-Staat“ die so genannte „Regenbogen-Nation“ zu erschaffen. Nelson Mandela wurde heute vor 93 Jahren im Dorf Mvezo bei Umtata als Sohn eines Dorfvorstehers vom Volk der Thembu (Xhosa) geboren. Dazu unsere allerherzlichsten Glückwünsche!

Eigentlich sollte er eine Karriere als Berater des Königs starten. Es kam jedoch anders. Weil er nicht zwangsverheiratet werden wollte, floh er mit 20 nach Johannesburg und begann sein Jurastudium und eröffnete 1952 in Johannesburg das erste schwarze Anwaltsbüro. Bereits früh schloss er sich der gewaltlosen schwarzen Widerstandsbewegung an und wurde Mitglied des Afrikanischen Nationalkongresses (ANC). Nach mehreren Verhaftungen und Prozessen wurde er 1964 wegen Vorbereitung eines bewaffneten Aufstandes als Hochverräter zu lebenslanger Haft verurteilt.

17 Jahre musste er auf Robben Island verbringen. Nach 27 Jahren Haft wurde er am 11. Februar 1990 entlassen. Am Tag seiner Freilassung sprach er vor 120 000 Menschen nicht von Rache, sondern lud alle Südafrikaner ein, an einem „nichtrassistischen, geeinten und demokratischen Südafrika“ mitzuarbeiten. 1993 wurden ihm und dem südafrikanischen Regierungschef Frederik de Clerk der Friedensnobelpreis verliehen. Zwischen 1994 und 1999 konnte er als erster freier gewählter Präsident nach der Rassentrennung an seinem Traum der Versöhnung zwischen schwarz und weiß mitarbeiten.

Ein paar seiner Zitate aus den letzten Jahrzehnten, die sein Schaffen, seine Stärke und seine Klugheit ein wenig wiederspiegeln, seien hier einmal aufgeführt:

„Rassismus wird oft als eine Krankheit bezeichnet. Die Tragödie ist, dass wir noch keine Therapie dafür gefunden haben.“ In einem Grußwort an den Anti-Rassismusgipfel der Vereinten Nationen im südafrikanischen Durban 2001.

„Nie, nie, nie wird dieses wunderbare Land noch einmal die Unterdrückung von Menschen durch Menschen erleben und die Demütigung, als Stinktier der Welt zu gelten.“ Rede nach seiner Wahl zum ersten schwarzen Präsidenten Südafrikas 1994.

„Wir werden eine Gesellschaft errichten, in der alle Südafrikaner, schwarze und weiße, aufrecht gehen können, ohne Angst in ihren Herzen, in der Gewissheit ihres unveräußerlichen Rechtes der Menschenwürde – eine Regenbogennation im Frieden mit sich selbst und mit der ganzen Welt.“ Rede bei der Vereidigung zum Staatspräsidenten 1994.

“Die größte Kunst des Lebens ist nicht den Fall zu verhindern, sondern immer wieder aufzustehen.”

„Ich begegne jedem Problem mit Optimismus.“ 1990

Ich habe Madiba – wie er respektvoll von seinen Landsleuten als „Vater“ genannt wird – während meiner Aufenthalte in Südafrika leider nie live erleben können. Aber alleine das Gefühl, wenn eine seiner Reden mit seiner markanten Stimme und seinem Akzent auf der Großleinwand des Kapstädter Hauptbahnhofs übertragen wurde und viele Passanten stehen blieben, um ihm zuzuhören, jagt mir heute noch Gänsehaut ein.

Während einer Führung durch die Gefängnisinsel Robben Island erzählte uns ein Mithäftling Mandelas, was sie alles durchstehen mussten. So wurden sie eines heissen Tages bis auf den Kopf in den Sand begraben. Auf die Bitte nach Wasser wurde von den Wärten auf sie uriniert. Auf die Frage eines Touristen, warum man nicht versucht habe zu fliehen, antwortete er nachdenklich, dass man mal versuchen solle, elf Kilometer durch den eiskalten Atlantik zu schwimmen. Wir können nicht im Geringsten erahnen, was die Gefangenen alles auf sich nehmen mussten. Eines jedoch hat Mandela einmal gesagt, was mir hängen geblieben ist: es war der größte Fehler der Apartheid, alle Oppositionellen an einen Ort einzusperren. Denn alles entstandene Wissen kam dann der neuen Nation zugute.

Es ist mitnichten alles Gold was glänzt in Südafrika. Die Gräben zwischen schwarz und weiß sind an vielen Orten zu spüren, die Schere zwischen arm und reich ist immens groß, die Aidsneuansteckung ist noch nicht im Griff zu bekommen, die Arbeitslosigkeitsquote erreicht schwindelerregende Höhen und die Kriminalitätsrate ist eine der höchsten der Welt. Dennoch, wenn man durch die Straßen Kapstadts läuft, geht von den Menschen solch eine positive Kraft aus, dass ich daran glaube, dass sein großer Traum der Versöhnung wahr werden kann.

Wer sich mehr über seine Geschichte, sein Leben und sein Wirken interessiert, dem möchte ich drei Filme beziehungsweise Dokumentationen und seine Stiftung ans Herz legen. Zum einen „Invictus“ – eigentlich ein Sportlerfilm zum ersten Rugby-Worldcup in Südafrika 1995 – verkörpert Morgan Freeman auf geniale Weise nicht nur den Staatsmann Mandela, sondern auch den Sportbegeisterten Mandela, der es mit Geschick schaffte, durch den „weißen Sport“ Rugby die Menschen Südafrikas ein Stück weiter zu versöhnen.

Zum anderen der Film „Goddbye Bafana“, der die Zeit Mandelas auf der Gefängnisinsel Robben Island beinhaltet. Schwerpunkt des Films ist die Beziehung zwischen Mandela und dem zunächst rassistischen Gefängniswärter James Gregory, der im Laufe der Zeit durch die Gespräche mit Mandela die Unmenschlichkeit der Rassentrennung erkennt.

In der Dokumentation „Mandela – sein Leben und Wirken“ anlässlich seines 92. Geburtstages wird durch viele Interviews mit Weggefährten und Freunden sein vollständiges Leben aufgezeigt.

Es ist zwar heute etwas ruhiger um den bunte Hemden liebenden ewig lächelnden Sympathieträger geworden, dennoch ist sein Rat noch immer weltweit gefragt. Mit Humor und Charme schafft er es immer wieder, die Schönen und Reichen für seine Stiftung „Nelson Mandela Foundation“ zu begeistern. Möge er dies noch recht lange tun können!