Gentechnik: Verursacher müssen für Schäden aufkommen

Rechtslage bestätigt Die bestehende Rechtslage bei verunreinigten Feldern wurde durch das Bundesverfassungsgericht bestätigt: die Bauern in Deutschland müssen für Schäden aufkommen, die durch den Anbau gentechnischer Pflanzen (GVO) entstehen können. Genauer heißt dies, dass selbst bei Erfüllung aller Sorgfaltspflichten die Schäden durch Verunreinigungen auf Nachbarfeldern von den Bauern beglichen werden müssen, die Gen-Pflanzen in der Nähe angebaut haben.

Zudem müssen die Flächen mit Gentechnikanbau über ein öffentliches Standortregister erfasst sein. Viele Bundesländer führen keinen Gentechnikanbau durch. In Brandenburg, Sachsen-Anhalt, Niedersachsen, Rheinland-Pfalz und Mecklenburg-Vorpommern gibt es ersten Versuchsanbau mit beispielsweise pilzresistenten Sommerweizen. Einziges kommerzielles Anbaufeld befindet sich in Zepkow in Mecklenburg-Vorpommern, wo die Gen-Kartoffel „Amflora“ angebaut wird – wir berichteten im Artikel Die BASF Kartoffel.

Leider sind Lebensmittel wie etwa Eier von Hühnern oder Milch von Kühen, die mit Gen-Soja gefüttert werden immer noch nicht kennzeichnungspflichtig. Dieser Missstand sollte auch im Sinne der Verbraucher geändert werden.

„Essen ohne Gentechnik“

Wer selber entscheiden möchte, ob in seinem Essen Anteile von gentechnisch veränderten Lebensmitteln vorhanden sind oder nicht, kann dies mithilfe des von Greenpeace angebotenen Einkaufratgebers „Essen ohne Gentechnik“ tun. Dieser kann zum Beispiel auf der Seite www.greenpeace.de runtergeladen werden. In diesem Ratgeber findet man nicht nur, welche Firmen bei der Herstellung tierischer Produkte wie Milch, Fleisch oder Eier auf Gen-Pflanzen im Futter verzichten, sondern auch welche Firmen nicht.

Gentechnik: Die BASF Kartoffel

Die EU-Kommission erlaubte im März 2010 den Anbau einer von BASF produzierten gentechnisch veränderten Kartoffel: Amflora. Sie darf in Deutschland, Schweden und in Tschechien angebaut werden. In Deutschland vorerst zwar nur auf 20 Hektar, aber es ist ein Anfang mit ungeahnten Folgen. Die gentechnisch veränderte Kartoffel enthält laut BASF eigenen Angaben nicht mehr die in konventionellen Kartoffeln vorkommende und für die industrielle Produktion störende Stärkeart Amylose, sondern nur noch das von der Industrie erwünschte Amylopektin. Nach Angaben des BUNDs enthält sie aber auch unerwünschte Bestandteile wie ein Resistenzgen gegen Antibiotika. Was ist, wenn dieses Gen dazu führt, dass Krankheitserreger im menschlichen Körper nicht mehr bekämpft werden? Laut EU-Kommission seien diese Risiken als „kontrollierbar“ einzuschätzen.

Wie steht es mit all den positiven Eigenschaften der Gentechnik-Befürworter? Dürreresistente Pflanzen, eine Lösung für den Hunger der Welt, gesündere Lebensmittel mit weniger Pestizide und mehr Vitaminen. Amflora dient nicht dem Zweck zur Lebensmittelherstellung. Vielmehr dient sie laut BASF fast ausschließlich der Saatgutvermehrung, der industriellen Produktion von „glänzenderem“ Druckpapier und als Futtermittel. Besteht in der Praxis doch eine berechtigte Sorge, dass sie über Umwege der Futtermittelverwendung auf unserem Teller landet?

Eigentlich wird sie in Deutschland fast durchweg abgelehnt wie in der Onlineredaktion der Tagesschau vermittelt. Weder die Stärkeindustrie, weder die Landwirte noch die Verbraucher wollen sie. Dennoch hat die schwarz-gelbe Bundesregierung einen Verunreinigungsgrad von Lebensmittel bis zu 0,9% genehmigt – ohne Kennzeichnungspflicht wie der BUND mitteilt. Die EU-weiten Vorschriften zur Kennzeichnung von gentechnisch veränderten Lebensmitteln besagen nämlich, dass eine Kennzeichnung für vermischte Rohstoffe erst ab 0,9 Prozent vorgeschrieben ist.

Wir werden sicherlich nicht dazu beitragen können, den Befürwortern oder den Gegnern zu ihrem Recht zu verhelfen. Zum einen ist es nach Forscherangaben der “European Food Safety Authority” (efsa) eher unwahrscheinlich, dass bestimmte Bakterien resistent gegen Bakterien werden können. Das Statement ist unter efsa-Statement zu finden. Zum anderen beruft sich Greenpeace etwa auf ein unabhängiges Rechtsguthaben zum nationalen Anbauverbot der Amflora-Kartoffel von Dr. Michéle John und fordert ein nationales Verbot wie es in Österreich ausgerufen wurde. Was wir aber tun sollten, ist den Verbrauchern zu mehr Informationen zu verhelfen. Denn genau das ist es, was fehlt.