Effiziente Staaten können mehr Menschenleben während Katastrophen retten

Das Risiko, Opfer einer Katastrophe zu werden, ist abhängig davon, wo man auf der Welt lebt. So das “Bündnis-Entwicklung-hilft” im neuen “Weltrisikobericht” mit einem Risikoindex für 173 Staaten. Größtes Risiko besteht im pazifischen Inselstaat Vanuatu, geringstes Risiko in Malta und Quatar. Deutschland belegt mit Platz 150 einen der hinteren Ränge.

Mitberücksichtigt wurden im Bericht unter anderem:
• der Grad der Gefährdung durch Erdbeben, Wirbelstürme etc.,
• die Anfälligkeit aufgrund des Zustandes der Infrastruktur, der Gebäude etc.,
• die Bewältigungskapazitäten (z.B. medizinische Versorgung und Effizienz von Regierungsstellen) und
• die Anpassungskapazitäten wie etwa ansteigende Meeresspiegel.

Somit ist recht schnell erkennbar, wo eine Naturgefahr mit hoher Wahrscheinlichkeit auftreten kann, und in welchen Ländern der Erde die Bewältigung der Folgen besonders schwierig ist.

Insgesamt lässt sich zum einen festhalten, dass das Risiko, Opfer einer Katastrophe zu werden, besonders in dem Land hoch ist, das finanziell nicht in der Lage ist, sich auf ein solches Ereignis vorzubereiten. Die letzten beiden großen Erdbeben zeigen es: in Japan können erdbebensichere Gebäude gebaut werden; in einem armen Land wie Haiti bisher nicht.

Zum anderen kommen in Staaten mit schwachen Institutionen mehr Menschen bei Naturkatastrophen ums Leben, als in Staaten mit starken Institutionen. Korruption verhindert beispielsweise bessere Bauvorschriften oder ein schwaches Gesundheitswesen ist in solchen Situationen völlig überfordert. Die relativ wenigen Toten des schweren Erdbebens in Chile sind wohl des effizienten Staatsapparates zu verdanken: bessere Bauvorschriften, stabilere Gebäudestruktur, innovative Technologien der Katastrophenvorsorge und regelmäßige Trainingseinheiten in Bildungseinrichtungen.

Und Präventionsmaßnahmen müssen nicht unbedingt teuer sein. Einige bereits angewandte Beispiele sollen dies zeigen:
• Einsatz internetfähiger Mobiltelefone zum Abrufen aktueller Gefahrenberichte,
• Einsatz von traditionellen Bauweisen wie dem Stelzenbau in Flutgebieten,
• Einsatz von einfachen Erdwällen.

Dennoch gilt als oberste Priorität, die Ursache von vielen zusätzlichen Naturkatastrophen zu bekämpfen: die internationale Staatengemeinschaft muss die globale Erwärmung auf unter 2° C begrenzen.

Hat Deutschland für den Notfall vorgesorgt?

In Tokio gehen die Wasserflaschen in den Supermärkten aus, weil teils berechtigte Angst herrscht, das Trinkwasser könnte bereits verseucht sein. Was wäre, wenn eine ähnliche Katastrophe wie in Japan Europa oder uns direkt in Deutschland treffen würde? Denn auch wenn schwere Erdbeben hier eher unwahrscheinlich sind, so sind jedoch Hochwasser, verheerende Stürme, Reaktorunfälle, Seuchen oder Terroranschläge realistisch.

Damit kurzfristige Engpässe in der Versorgung der Bevölkerung überbrückt werden können, hat der Bund bundesweit über 100 Lebensmitteldepots angelegt. In den Silos werden Weizen, Hafer, Erbsen, Linsen, Reis, Kondensmilch und Milchpulver gehortet. Alles Lebensmittel, die lange halten. Abhängig von den Umständen, reichen die Lebensmittel für einzelne Ballungsräume dann bis zu mehreren Wochen.

Neben Lebensmitteln werden auch Reserven etwa für den Gesundheitsschutz aufgebaut: Jodtabletten, Pockenimpfstoffe, Antibiotika und weitere grundlegende Arzneien. Auch die Öl- und Gasvorräte sollen bis zu drei Monate reichen. Weitere Informationen sind vom “Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe” zu erhalten.

Informationsquellen für eine bessere Katastrophenhilfe

Die Menschen um Fukushima herum müssen in ihren Wohnungen bleiben. Damit das Netz nicht überlasstet wird, soll man möglichst auf das Telefon verzichten. Somit sind E-Mail, Twitter, Youtube und Facebook die Kommunikationsmittel Nummer 1, um sich vor allem über die aktuellen Messwerte der Radioaktivität in der Umgebung, die Gesundheits- und Ernährungslage zu informieren. Dabei finden sich auch nützliche Dienste etwa für eine bessere Koordination von Hilfsaktionen – nicht nur für Japan geeignet. Wir stellen einmal die wichtigsten Quellen wie in den VDI Nachrichten zu lesen zusammen:

• „Person Finder“: Hilfe bei der Suche vermisster Personen.
“Person Finder”
• „Crisis Commons“: Zusammenfügung aller öffentlichen Daten wie etwa Twitter-Nutzer, um Katastrophenhilfe besser koordinieren zu können.
“Crisis Commons”
• „Krisenkarte“ Japan: Hier werden etwa Informationen über den Zustand von Straßen und anderen Transportwegen in einer Karte zusammengetragen.
“Krisenkarte”
• „Ushahidi-Daten“: In Kenia gegründeter Dienst, um die Koordination von Hilfsaktionen vor Ort besser bewältigen zu können.
“Ushahidi”
• „Global Voices“: eine internationale Plattform für Blogger, die über die Situation vor Ort berichten.
“Global Voices”