Mehr Bildung für Afrika

Afrika Bundesentwicklungsminister Dirk Niebel prangerte am Rande seines Besuches in Äthiopien an, dass Afrika vor allem ein Mittelbau an Ingenieuren und ausgebildeten Facharbeitern in technischen Berufen wie Elektriker, Mechaniker und Dreher fehle. Damit gehe ein Großteil der Wertschöpfungskette an die Industriestaaten verloren, die kaum Interesse haben, an diesem Zustand etwas zu ändern.

In einem Land wie Nigeria beispielsweise – reich an Ölvorkommen – senden die Familienclans ihre Nachkommen auf Elite-Unis in die USA für einen Wirtschaftsabschluss, um dann wieder zu Hause die Rohstoffe und Bodenschätze ohne Umweltschutzauflagen an die Industriestaaten oder China zu verkaufen. Gäbe es einen Ingenieursmittelstand, können auch der Veredelungsprozess und seine Wertschöpfung im Lande bleiben.

Ziel müsse es laut Niebel sein, nicht nur der „romantisierenden Spendenmentalität“ eines Bob Geldof oder Bono zu folgen, sondern den Empfänger-Clans eine weitaus gefährlichere Waffe entgegen zu bringen: Bildung für alle.

Afrika bald unabhängig von anderen Ländern?

Afrika bald unabhängig? In den Medien wird uns ein Bild von Afrika durch Hunger, Krankheiten, Gewalt und Korruption vermittelt. Die Gründe liegen zumeist in der Abhängigkeit von anderen Ländern. Wissenschaftler um den Harvard-Professor für internationale Entwicklung Calestous Juma glauben, dass Afrika trotz Folgen des Klimawandels durch einen einfachen Plan aus dieser Abhängigkeit ausbrechen könne. In seinem im nächsten Jahr erscheinendem Buch „The New Harvest: Agricultural Innovation in Africa“ stellt er seine Theorien vor, die auf der online Seite von Focus dargestellt wurden.

Die Lösung liege in der Landwirtschaft. Momentan arbeiten laut Juma 70 Prozent der Afrikaner in der Landwirtschaft, dennoch seien fast eine Viertel Milliarde Menschen unterernährt. Das Problem liege im auf den Export ausgerichteten Anbau von Gütern wie Kaffee und Kakao, die Erträge der restlichen Landwirtschaft seien seit 1960 um zehn Prozent gesunken, heißt es in dem Buch. Die Lösungsvorschläge, um diesen Missstand zu beheben, sollen einmal kurz dargestellt werden.

• Gute Voraussetzungen für einen landwirtschaftlichen Umbruch: viel fruchtbares Land und ausreichend Arbeitskräfte.
• Verbesserung der Stromversorgung durch den Einsatz von Wasser- und Solarenergie.
• Mehr Bewässerung der Felder Afrikas.
• Einsatz von Maschinen zur Ertragssteigerung.
• Einsatz von Biotechnologie: Anbau von Sorten, die weniger Wasser benötigen als andere.
• Verbesserung der Infrastruktur:
o Ausbau der Straßen, um die Ernte auf die Märkte zu transportieren.
o Zusammenschluss von Bauern der einzelnen Regionen, um Fachwissen weiter zu geben, um sich gegenseitig zu helfen, gemeinsam Maschinen anzuschaffen und den Verkauf ihrer Produkte zusammen zu organisieren.
• Verbesserung der Informationsinfrastruktur:
o Nutzung von Mobiltelefonen zur Information über Erträge, Wetter, Marktpreise und Schädlingsüberwachung.
o Beratung von Farmern durch Universitäten.
o Neue Unternehmen müssen Saatgut entwickeln, landwirtschaftliche Maschinen bauen oder Nahrungsmittel verarbeiten.

Voraussetzung für solch einen Umstieg ist nach Juma, dass sich Afrika darauf konzentriere, „Kleinbauern zu helfen, den nationalen und regionalen Bedarf an Nahrung zu decken“. In Jumas Theorien stecken einige wichtige Ansatzpunkte. Unserer Meinung nach, liegt das Hauptproblem darin, dass die Regierungen entsprechende Programme aufsetzen und fördern müssen. Was nicht immer so einfach ist, wie die bisherige Geschichte Afrikas zeigt. Zudem müssen Fragen, wie beispielsweise die vermehrte Bewässerung erfolgen soll, geklärt werden.