Mit dem Solartaxi um die Welt

Stellt euch vor, um die Welt zu fahren. Stellt euch weiter vor, dabei viele Länder und Menschen kennen zu lernen. Das sind 53.000 Kilometer pures Abenteuer. Und jetzt stellt euch vor, dass dies alles ohne Benzin und CO2-frei geht. Eine tolle Vorstellung.

Dem Schweizer Louis Palmer ist dies auf einer 18-monatigen Reise gelungen. Zwischenziel war 2007 auf der Klimakonferenz in Bali vorzufahren und den UNO-Generalsekretär mit dem Solartaxi ins Büro zu fahren. Hauptziel aber war es, den Menschen Denkanstöße zu geben. Denn die Technik ist vorhanden, was fehlt „ist eine Änderung in den Köpfen der Menschen“, so Palmer. Ein Umdenken in eine CO2-freie Fortbewegung.

An seinem 500 Kilogramm schweren Taxi wurde ein Anhänger angebracht und eine 6m² große Solarzelle angebracht. Diese produzierte Strom, der für eine Strecke von etwa 100 Kilometern pro Tag reichte. Damit Palmer auch fahren konnte, wenn die Sonne mal nicht scheint, wurde eine wartungsfreie Hochenergiebatterie aus Kochsalz, Keramik und Nickel eingebaut.

Leider, so Palmer, sprechen wir heute noch weniger über Klimaschutz als damals, da zwar viele etwas dagegen tun würden, aber nicht wissen wie. Sein nächstes Projekt wird es sein, bezahlbare Solarautos für jedermann auf die Straße zu bringen.

Bis dahin sind seine Abenteuer und sein Erlebtes auf seiner Reise um die Welt auf der Dokumentarfilm-DVD „Solartaxi“ zu sehen. Ein kurzer Vorgeschmack auf die DVD, die ab dem 1.3.2012 im Handel zu erhalten ist, zeigt folgender Trailer.

Laos: zu schnelle Entwicklung auf Kosten der Armen?

Laos ist eines der ärmsten Länder der Welt. Bis zum Jahr 2020 will es diesen Status verlieren. Dafür öffnet sich das Land den internationalen Märkten. Aber ist dies vielleicht zu schnell? Wer wird im Endeffekt darunter leiden?

Zur Zeit wird der Grund und Boden per GPS vermessen und in einem Kataster festgehalten. 80 Prozent der Wirtschaft basiert auf Landwirtschaft. Doch auch wenn die laotischen Bauern das Ihnen zu gewiesene Land nutzen können, um Reis oder Gemüse anzubauen, gehört es immer noch der kommunistischen Regierung.

Auch Deutschland beteiligte sich an der Landvermessung und fand laut Wiesbadener Kurier heraus, dass etwa 20 Prozent der Landesfläche zumeist an ausländische Investoren vergeben wurden, vor allem an die reichen Nachbarn wie China, Thailand oder Vietnam. Die haben nicht nur am Land Interesse, sondern auch an den anderen Rohstoffen wie Bodenschätze und Energie.

Durch die Vergabe des Landes an ausländische Investoren kommen immer mehr besser ausgebildete Fachleute aus diesen Ländern nach Laos, womit die laotischen Bauern leer ausgehen. Trotz Limitierung der ausländischen Arbeitskräfte auf maximal zehn Prozent ist das Problem nicht behoben, denn die Führungspositionen werden genau durch diese besetzt.

Wenn das Land nicht dem Rohstoffhunger der Nachbarländer zum Opfer fallen soll, muss unserer Meinung genau hier angesetzt werden: in die Ausbildung der laotischen Bevölkerung zu Facharbeitern.

Zeiten verändern Kapstadt

Der erste Moment, die Sonne Kapstadts auf der Haut und den Wind des Atlantiks um die Nase herum zu spüren und den Boden zu berühren ist etwas Besonderes. Doch diesmal ist es irgendwie anders. Das Gefühl ist schwer zu beschreiben. Hat sich etwas verändert? Was hat sich geändert?

Ist es der erste Eindruck, dass die Schere zwischen Reich und Arm noch weiter auseinander zu klaffen droht? Ich habe 2010 boykottiert, zur Weltmeisterschaft zu gehen. Die Tatsache, dass um die Stadien herum, einheimische Händler vertrieben wurden, und nur FIFA-lizenzierte Händler Geschäfte machen durften, hat mich wütend gemacht. Sogar ganze Viertel wurden umgesiedelt, um den Touristen eine heile Welt vorzugaukeln. Mein Lieblingsflohmarkt ist weg – einfach nicht mehr da. Und damit ein fröhliches, buntes Treiben. Und die unvorstellbar teuren Stadien stehen unausgelastet da.

In den reichen Vierteln tummeln sich noch mehr schöne Menschen, noch mehr teure Autos, noch mehr Konsum. Wie mir durch Gespräche mitgeteilt wurde, herrscht erhöhte Sicherheit und weniger Kriminalität. Was man merkt und was auch gut ist, aber für welchen Preis? Aufpolierte Touristenviertel, um die wahren Probleme zu verbergen. Und wie sieht es mit den Problemen in den Townships aus? Kapstadt – oder vielmehr ganz Südafrika – hat viele Probleme zu bewältigen. Einige möchte ich hier mal beispielhaft anbringen.

– Südafrika scheint immer weniger Geld für die Ärmsten der Armen zu haben. Wurden allen Bewerbern aus den Townships 1996 noch versprochen, bis Ende 2012 ein festes Haus von der Regierung gebaut zu bekommen, so wird dieses Ziel wohl bei Weitem verfehlt werden.
– Südafrika braucht viel Energie für die wachsende Wirtschaft. Leider gehen die Pläne der Regierung in Richtung Bau neuer Atomkraftwerke statt auf erneuerbare Energien zu setzen.
– Die Einführung eines nationalen Gesundheitsversicherungssystems wird noch weitere 14 Jahre dauern.
– Lehrer müssen besser ausgebildet und bezahlt werden, damit auch verstärkt jüngere, gut ausgebildete Lehrer in den Dienst einsteigen.
– Es gibt Anzeichen, dass der National Council of Provinces einem Gesetz zustimmen wird, das aus der Apartheitzeit stammen könnte. Das „Protection of State Information Bill“ erlaubt dem Staat, Staatsgeheimnisse zu schützen und der Öffentlichkeit fern zu halten. Dies würde eine Einschränkung der Öffentlichkeitsrechte auf Informationszugang, Medienfreiheit und Transparenz bedeuten. Meinungen gehen soweit, dass befürchtet wird, Südafrika könne das zweite Simbabwe werden. Ein Zustand, der nicht im Sinne von Madiba’s Vorstellungen eines neuen Südafrikas war.
– Es gibt jeden Tag bis zu 1.500 Asylsuchende (gerade aus dem Horn Afrikas oder Simbabwe), die sich in den Townships niederlassen. Zudem herrscht Gewalt zwischen den Einheimischen und den Flüchtlingen. Steigende Bevölkerungszahlen bedeuten zusätzlichen Druck auf Beschäftigungszahlen, Bildung und die Bereitstellung von ausreichenden Nahrungsmitteln.
– Offizielle Zahlen sprechen von einer Arbeitslosenquote von 25%. Inoffiziell geht man davon aus, dass die Quote zwischen 40 und 45% liegt.

Es gibt aber zum Glück auch positive Geschichten – und von einer möchte ich kurz berichten. Die Geschichte des 18-jährigen Mbu Maloni, der von seinen Eltern keine Liebe erhielt, ein heimatloses Straßenkind wurde und somit unweigerlich zu Drogen und Alkohol griff, um die Schmerzen zu betäuben. Im Juli 2010 hat er den Weg zu „Homes for Kids in South Africa (Hokisa)“ gewagt, wo er zum ersten Mal die Unterstützung eines Mentors und der Erwachsenen erhielt. Ein paar Monate später ist sein bester Freund Atie ermordet worden, was sein Leben komplett veränderte. In all seiner Brutalität und Ehrlichkeit hat er seine Geschichte und die von Atie in einem Buch verfasst, um den Tausenden Kindern, die immer noch auf den Straßen leben, eine Stimme zu geben. Und mehr noch, er hofft dadurch erreichen zu können, dass andere Jugendliche Alkohol und Drogen nicht als Lösung ansehen. Seiner Meinung nach, ist Bildung die bessere Lösung, um der Armut zu entfliehen. Ein Statement, dass man nur unterstützen kann.

Große Herzen alleine reichen nicht

Endlich habe ich es geschafft, „Life Community Welfare“ vor Ort zu besuchen. Jene Organisation, die sich für Kinder in den Townships von Kapstadt einsetzt. Die Zentrale befindet sich in Elsies River. Zusammen mit den beiden Organisatorinnen Nomsa und Elisabeth haben wir über die Erfolge, aber auch über ernüchternde Ereignisse gesprochen.

Erfolgreich waren auf jeden Fall die Anfang Dezember organisierten „Christmas Parties“. Das obige Bild zeigt eine Gruppe Kinder mit den Betreuern, nach der Geschenkeverteilung durch Nikolaus. Seit Jahren werden die „Christmas-Parties“ in verschiedenen Townships organisiert. Und dabei geht es nicht nur darum, die Kinder zu unterhalten, sondern „sie zu motivieren, bessere Menschen in ihrer Zukunft zu werden“, so Nomsa Mninzi. Folgender Zeitungsausschnitt aus den Vulkani-News zeigt eine Gruppe von Kindern und deren Betreuern mit den Geschenken.

Jedoch wird es immer schwieriger, Spendengelder einzuholen. Der Vertrag mit einem größeren lokalen Industriekonzern ist ausgelaufen und wurde nicht verlängert. Und auch die regionale Regierung von Western Cape senkt seit einiger Zeit die Fördermittel für wohltätige Organisatoren; und „auch in Zukunft werden die Mittel wohl noch weiter gekürzt“, so Mninzi. Gelder, die eigentlich dringend benötigt werden, um permanente Mitarbeiter einzustellen. Aktuell können tolle Programme wie Fußball für Straßenkinder oder PC-Schulungen leider nicht durchgeführt werden, weil die Lehrer bzw. Trainer nicht bezahlt werden können.

Trotz allen Widrigkeiten, die dem Team entgegenstehen, war es beeindruckend zu sehen, dass alle mit Leidenschaft bei der Sache sind und immer alles für das Wohl der Kinder geben. So findet etwa die Suppenküche für Schüler aus der Umgebung, die sonst keine warme Mahlzeit erhalten würden, täglich statt. Oder die ständige Aufklärung von Lehrern und Schülern in Sachen HIV/Aids in den Schulen vor Ort.

Das Team in Elsies River besteht aus ehrenamtlichen Frauen mit großem Herzen, die ihre Kraft ohne ein Cent zu erhalten jeden Tag von morgens bis abends für die Kinder der Townships von Kapstadt einsetzen.

Mit gemischten Gefühlen endete der Besuch. Einerseits bedrückend, dass so viel mehr getan werden könnte, wenn das nötige Geld dafür aufgetrieben werden kann. Andererseits hoffnungsvoll, dass es Menschen gibt, deren Engagement nicht genügend gewürdigt werden kann.

Love Mzantsi fo sho!