Es lebe die Vielgestaltigkeit in unseren Ländern

Utøya wird in einem Atemzug mit Port Arthur, Colombine, Erfurt oder Winnenden genannt werden. Eigentlich wollte ich mich nicht zu diesen Ereignissen äußern, da ich sonst meine Neutralität vergessen könnte. Ich versuche mich auch zurück zu halten. Es war für mich ursprünglich ein schönes Wochenende, da ich diese Tat erst am Sonntag erfahren habe. Eine Tat die so unbegreiflich ist, dass man sie gar nicht in Worte fassen kann. Wenn man die Überlebenden erzählen hört, was sie alle erlebt haben, durchfährt einen Angst und Trauer und, ich gebe es offen zu, purer Hass auf diesen Menschen. Und bei jedem erneuten Lesen fange ich immer und immer wieder an zu weinen.

Letztes Jahr noch durfte ich dieses wunderbare Land mit seinen weltoffenen, friedlichen und freundlichen Menschen erleben. Wieviel Hass und wieviel Gestörtheit kann in einem Menschen innewohnen, dass er so eine Tat vollbringen kann? Ich will mir gar nicht anmaßen zu sagen, wie und warum es dazu kommen konnte. Ich will mir auch nicht anmaßen zu sagen, was eine gerechte Strafe sei und, ob 21 Jahre oder sogar nur eine Unterbringung in eine psychiatrische Einrichtung “ausreichend” seien. Was ich aber kann ist zu sagen, dass man Intoleranz durchaus mit Intoleranz begegnen kann. Die Weltanschauungen solcher Idioten dürfen nicht siegen. Auch wenn ich das Wort nicht so mag, aber ich bin stolz, in einem Europa zu wohnen, in dem der so genannte “Multikulturalismus” groß geschrieben wird. Und ich erfreue mich jeden Tag aufs Neue, Menschen, deren Wurzeln nicht aus Deutschland sind, kennen lernen zu dürfen.

Und dass die Norweger dem Hass eines einzelnen Fanatikers Liebe entgegen bringen erfreut mein Herz und zeigt, dass unsere demokratischen Wertvorstellungen dadurch nicht erschüttert werden. Beim Trauermarsch am gestrigen Abend sagte die Hausfrau Lill Seljord etwas, was mir in Erinnerung bleiben wird: “Menschen sind wir doch nur, weil wir den Hass überwinden können. Wir sind mehr als das Böse, das in uns ist.” Meine Gedanken sind bei allen Norwegern.

Schwerste Dürre am Horn von Afrika seit 60 Jahren

Klimawandel Nach Angaben des „Office for the Coordination of Humanitarian Affairs“ (OCHA) der Vereinten Nationen leiden am Horn von Afrika mehr als 10 Millionen Menschen unter einer der schwersten Dürren seit mehr als 60 Jahren. Folgende Karte des OCHA gibt eine Übersicht der betroffenen Länder: „Karte Horn von Afrika“.

Am schwersten betroffen von der Dürre ist Somalia, wo knapp 300.000 Menschen in die Hauptstadt Mogadischu flüchteten. Dort werden sie in Lagern mit Nahrungsmitteln und Wasser versorgt. Nach Angaben lokaler Mitarbeiter der „Welthungerhilfe“ in Mogadischu sind „30 Prozent aller Kinder in Somalia unterernährt und benötigen spezielle Aufbaunahrung“. Krankheiten wie Masern, Durchfall und Lungenentzündung bedrohen die Kinder.

Aufgrund der Krise fliehen immer mehr Menschen, darunter viele Kinder, in die Nachbarländer wie vor allem Kenia. Doch dort ist die Situation auch nicht viel besser. Überfüllte Flüchtlingslager, hohes Risiko für Infektionskrankheiten, leere Wassertanks in den Dürregebieten nach Ausfall der Regenzeit im Frühjahr. Die kenianische Regierung hat aufgrund alldessen den Notstand ausgerufen.

Die Gründe für die Dürre sind vielfältig:
• Abhängig von Landwirtschaft und Viehzucht.
• Anhaltende Trockenheit zerstört die Ernten in vielen Regionen.
• Fehlende Wasser- und Futterquellen schwächen das Vieh. Diese geben dann weder ausreichend Milch und Fleisch ab, noch sind sie zum Verkauf geeignet.
• Das regelmäßig auftretende Wetterphänomen La Niña und die steigenden Temperaturen durch den Klimawandel führen zur Trockenheit.
• Der anhaltende kriegerische Konflikt in Somalia, wodurch die Menschen ihre Felder nicht bestellen und ernten können.
• Keine Zentral organisierten Schutz- und Hilfsmaßnahmen.
• Die Sicherheitslage erschwert die Arbeit von Hilfsorganisationen.
• Keine Investitionen durch die Regierung in ländliche Entwicklung, um die Armut zu reduzieren.
• Das Fehlen von Infrastruktur und Versorgungssystemen.
• Steigende Nahrungsmittelpreise auf dem Markt durch Spekulationen auf dem Weltmarkt und Ernteausfälle.

Was muss schnellstens getan werden:
• Finanzielle Zusagen der internationalen Hilfe.
• Die Welthungerhilfe will demnächst nach eigenen Angaben an zentralen Stellen Wassertanks durch Tanklastwagen auffüllen.
• Verteilung von Nahrungsmitteln, Trinkwasser und Spezialnahrung für Kinder.

Die Menschen in der Region brauchen neben der schnellen Hilfe aber auch langfristige Unterstützung:
• Umsetzung von Entwicklungskonzepten, die den Armen zunutze kommt.
• Frieden in Somalia.
• Eine zuverlässige Unterstützung in den Bereichen Landwirtschaft und sozialer Absicherung.
• Eine Eingrenzung der Nahrungsmittelspekulation.
• Begrenzung des Klimawandels.
• Ausbau der Trinkwasserversorgung
• Investitionen in Bewässerungsanlagen für die Landwirtschaft.
• Angepasste Anbaumethoden und Projekte zum Ressourcenschutz aufgrund der durch den Klimawandel bedingten geringeren oder unregelmäßigeren Regenfälle.

Heute findet ein Krisentreffen der Vereinten Nationen zur Hungersnot am Horn von Afrika statt. Es ist zu wünschen, dass sich die internationale Gemeinschaft Ihrer Verantwortung bewusst wird.

Wer sich näher über die Krise informieren möchte, kann in folgender Dokumentation weiterlesen: „OCHA Bericht Horn von Afrika“.

Nelson Mandela

46664 – jeder Südafrikaner kennt diese Zahl. Es war die Häftlingsnummer des Mannes, der als 466. Gefangener 1964 auf Robben Island inhaftiert wurde, und es 30 Jahre später schaffte, aus dem international geächteten „Apartheid-Staat“ die so genannte „Regenbogen-Nation“ zu erschaffen. Nelson Mandela wurde heute vor 93 Jahren im Dorf Mvezo bei Umtata als Sohn eines Dorfvorstehers vom Volk der Thembu (Xhosa) geboren. Dazu unsere allerherzlichsten Glückwünsche!

Eigentlich sollte er eine Karriere als Berater des Königs starten. Es kam jedoch anders. Weil er nicht zwangsverheiratet werden wollte, floh er mit 20 nach Johannesburg und begann sein Jurastudium und eröffnete 1952 in Johannesburg das erste schwarze Anwaltsbüro. Bereits früh schloss er sich der gewaltlosen schwarzen Widerstandsbewegung an und wurde Mitglied des Afrikanischen Nationalkongresses (ANC). Nach mehreren Verhaftungen und Prozessen wurde er 1964 wegen Vorbereitung eines bewaffneten Aufstandes als Hochverräter zu lebenslanger Haft verurteilt.

17 Jahre musste er auf Robben Island verbringen. Nach 27 Jahren Haft wurde er am 11. Februar 1990 entlassen. Am Tag seiner Freilassung sprach er vor 120 000 Menschen nicht von Rache, sondern lud alle Südafrikaner ein, an einem „nichtrassistischen, geeinten und demokratischen Südafrika“ mitzuarbeiten. 1993 wurden ihm und dem südafrikanischen Regierungschef Frederik de Clerk der Friedensnobelpreis verliehen. Zwischen 1994 und 1999 konnte er als erster freier gewählter Präsident nach der Rassentrennung an seinem Traum der Versöhnung zwischen schwarz und weiß mitarbeiten.

Ein paar seiner Zitate aus den letzten Jahrzehnten, die sein Schaffen, seine Stärke und seine Klugheit ein wenig wiederspiegeln, seien hier einmal aufgeführt:

„Rassismus wird oft als eine Krankheit bezeichnet. Die Tragödie ist, dass wir noch keine Therapie dafür gefunden haben.“ In einem Grußwort an den Anti-Rassismusgipfel der Vereinten Nationen im südafrikanischen Durban 2001.

„Nie, nie, nie wird dieses wunderbare Land noch einmal die Unterdrückung von Menschen durch Menschen erleben und die Demütigung, als Stinktier der Welt zu gelten.“ Rede nach seiner Wahl zum ersten schwarzen Präsidenten Südafrikas 1994.

„Wir werden eine Gesellschaft errichten, in der alle Südafrikaner, schwarze und weiße, aufrecht gehen können, ohne Angst in ihren Herzen, in der Gewissheit ihres unveräußerlichen Rechtes der Menschenwürde – eine Regenbogennation im Frieden mit sich selbst und mit der ganzen Welt.“ Rede bei der Vereidigung zum Staatspräsidenten 1994.

“Die größte Kunst des Lebens ist nicht den Fall zu verhindern, sondern immer wieder aufzustehen.”

„Ich begegne jedem Problem mit Optimismus.“ 1990

Ich habe Madiba – wie er respektvoll von seinen Landsleuten als „Vater“ genannt wird – während meiner Aufenthalte in Südafrika leider nie live erleben können. Aber alleine das Gefühl, wenn eine seiner Reden mit seiner markanten Stimme und seinem Akzent auf der Großleinwand des Kapstädter Hauptbahnhofs übertragen wurde und viele Passanten stehen blieben, um ihm zuzuhören, jagt mir heute noch Gänsehaut ein.

Während einer Führung durch die Gefängnisinsel Robben Island erzählte uns ein Mithäftling Mandelas, was sie alles durchstehen mussten. So wurden sie eines heissen Tages bis auf den Kopf in den Sand begraben. Auf die Bitte nach Wasser wurde von den Wärten auf sie uriniert. Auf die Frage eines Touristen, warum man nicht versucht habe zu fliehen, antwortete er nachdenklich, dass man mal versuchen solle, elf Kilometer durch den eiskalten Atlantik zu schwimmen. Wir können nicht im Geringsten erahnen, was die Gefangenen alles auf sich nehmen mussten. Eines jedoch hat Mandela einmal gesagt, was mir hängen geblieben ist: es war der größte Fehler der Apartheid, alle Oppositionellen an einen Ort einzusperren. Denn alles entstandene Wissen kam dann der neuen Nation zugute.

Es ist mitnichten alles Gold was glänzt in Südafrika. Die Gräben zwischen schwarz und weiß sind an vielen Orten zu spüren, die Schere zwischen arm und reich ist immens groß, die Aidsneuansteckung ist noch nicht im Griff zu bekommen, die Arbeitslosigkeitsquote erreicht schwindelerregende Höhen und die Kriminalitätsrate ist eine der höchsten der Welt. Dennoch, wenn man durch die Straßen Kapstadts läuft, geht von den Menschen solch eine positive Kraft aus, dass ich daran glaube, dass sein großer Traum der Versöhnung wahr werden kann.

Wer sich mehr über seine Geschichte, sein Leben und sein Wirken interessiert, dem möchte ich drei Filme beziehungsweise Dokumentationen und seine Stiftung ans Herz legen. Zum einen „Invictus“ – eigentlich ein Sportlerfilm zum ersten Rugby-Worldcup in Südafrika 1995 – verkörpert Morgan Freeman auf geniale Weise nicht nur den Staatsmann Mandela, sondern auch den Sportbegeisterten Mandela, der es mit Geschick schaffte, durch den „weißen Sport“ Rugby die Menschen Südafrikas ein Stück weiter zu versöhnen.

Zum anderen der Film „Goddbye Bafana“, der die Zeit Mandelas auf der Gefängnisinsel Robben Island beinhaltet. Schwerpunkt des Films ist die Beziehung zwischen Mandela und dem zunächst rassistischen Gefängniswärter James Gregory, der im Laufe der Zeit durch die Gespräche mit Mandela die Unmenschlichkeit der Rassentrennung erkennt.

In der Dokumentation „Mandela – sein Leben und Wirken“ anlässlich seines 92. Geburtstages wird durch viele Interviews mit Weggefährten und Freunden sein vollständiges Leben aufgezeigt.

Es ist zwar heute etwas ruhiger um den bunte Hemden liebenden ewig lächelnden Sympathieträger geworden, dennoch ist sein Rat noch immer weltweit gefragt. Mit Humor und Charme schafft er es immer wieder, die Schönen und Reichen für seine Stiftung „Nelson Mandela Foundation“ zu begeistern. Möge er dies noch recht lange tun können!

Agrospritpläne der Lufthansa keine umweltfreundliche Alternative

Regenwald Agrosprit hat schwerwiegende Folgen wie etwa Verteuerung von Nahrungsmitteln, Landvertreibungen und Regenwaldzerstörung in den südlichen Ländern. Die Lufthansa wird nach Angaben von Rettet den Regenwald e.V. ihre Agrospritpläne mit dem ersten Linienflug mit Treibstoff aus Pflanzenölen am 15.7.2011 am Hamburger Flughafen um 11.15 Uhr umsetzen. Durch diese Pläne steigt die Nachfrage nach pflanzlichen Treibstoffen weiter an und somit auch die Folgen.

Mit folgender „ Unterschriftenaktion“ könnt ihr deutlich machen, dass Pflanzentreibstoffe keine umweltfreundliche Alternative sind. Am Freitag, den 15.07.2011 um 10 Uhr findet am Hamburger Flughafen auch eine Protestkundgebung gegen die Biosprit-Pläne der Lufthansa statt, an der die Unterschriften übergeben werden. Diese Aktion könnt ihr auch über Facebook an eure Freunde verbreiten: „Aktion via Facebook“.

Effiziente Staaten können mehr Menschenleben während Katastrophen retten

Das Risiko, Opfer einer Katastrophe zu werden, ist abhängig davon, wo man auf der Welt lebt. So das “Bündnis-Entwicklung-hilft” im neuen “Weltrisikobericht” mit einem Risikoindex für 173 Staaten. Größtes Risiko besteht im pazifischen Inselstaat Vanuatu, geringstes Risiko in Malta und Quatar. Deutschland belegt mit Platz 150 einen der hinteren Ränge.

Mitberücksichtigt wurden im Bericht unter anderem:
• der Grad der Gefährdung durch Erdbeben, Wirbelstürme etc.,
• die Anfälligkeit aufgrund des Zustandes der Infrastruktur, der Gebäude etc.,
• die Bewältigungskapazitäten (z.B. medizinische Versorgung und Effizienz von Regierungsstellen) und
• die Anpassungskapazitäten wie etwa ansteigende Meeresspiegel.

Somit ist recht schnell erkennbar, wo eine Naturgefahr mit hoher Wahrscheinlichkeit auftreten kann, und in welchen Ländern der Erde die Bewältigung der Folgen besonders schwierig ist.

Insgesamt lässt sich zum einen festhalten, dass das Risiko, Opfer einer Katastrophe zu werden, besonders in dem Land hoch ist, das finanziell nicht in der Lage ist, sich auf ein solches Ereignis vorzubereiten. Die letzten beiden großen Erdbeben zeigen es: in Japan können erdbebensichere Gebäude gebaut werden; in einem armen Land wie Haiti bisher nicht.

Zum anderen kommen in Staaten mit schwachen Institutionen mehr Menschen bei Naturkatastrophen ums Leben, als in Staaten mit starken Institutionen. Korruption verhindert beispielsweise bessere Bauvorschriften oder ein schwaches Gesundheitswesen ist in solchen Situationen völlig überfordert. Die relativ wenigen Toten des schweren Erdbebens in Chile sind wohl des effizienten Staatsapparates zu verdanken: bessere Bauvorschriften, stabilere Gebäudestruktur, innovative Technologien der Katastrophenvorsorge und regelmäßige Trainingseinheiten in Bildungseinrichtungen.

Und Präventionsmaßnahmen müssen nicht unbedingt teuer sein. Einige bereits angewandte Beispiele sollen dies zeigen:
• Einsatz internetfähiger Mobiltelefone zum Abrufen aktueller Gefahrenberichte,
• Einsatz von traditionellen Bauweisen wie dem Stelzenbau in Flutgebieten,
• Einsatz von einfachen Erdwällen.

Dennoch gilt als oberste Priorität, die Ursache von vielen zusätzlichen Naturkatastrophen zu bekämpfen: die internationale Staatengemeinschaft muss die globale Erwärmung auf unter 2° C begrenzen.