Energiekonzept: alles im Zeichen der Wirtschaft?

Das am 28. September 2010 beschlossene Energiekonzept für eine umweltschonende, zuverlässige und bezahlbare Energieversorgung der Bundesregierung mit seinen neun Handlungsfeldern wurde von vielen Umweltverbänden kritisiert. Auch Energieexperten wie Lutz Dorsch sind der Meinung, dass sich mit diesem Energiekonzept „der Klimaschutz verstärkt dem Wirtschaftlichkeitsgebot unterwerfen muss“ (Der Gebäudeenergieberater 11/2012, Seite 34). Was die Handlungsfelder beinhalten, wird in diesem Artikel kurz dargestellt.

1. Erneuerbare Energien als eine tragende Säule zukünftiger Energieversorgung:
• Ein kosteneffizienter Ausbau der erneuerbaren Energien.
• Ausbau der Off- und Onshore-Windenergie.
• Eine nachhaltige und effiziente Nutzung der Bioenergie.
2. Schlüsselfertige Energieeffizienz:
• Ausschöpfung der Energieeffizienz in privaten Haushalten, im öffentlichen Sektor und in der Industrie.
• Einrichtung eines Energiefonds zur Finanzierung von Energieeffizienzmaßnahmen.
• Finanzielle Aufstockung der Klimaschutzinitiative.
3. Kernenergie und fossile Kraftwerke:
• Verlängerung der Kernenergie als Brückentechnologie um durchschnittlich 12 Jahre.
• Weiterentwicklung eines flexiblen Kraftwerksparks mit Kohle- und Gaskraftwerke und erneuerbare Energien.
• Erprobung der Abscheidung und Speicherung von CO2 (CCS).
• Steinkohleförderung soll auslaufen.
4. Leistungsfähige Netzinfrastruktur für Strom und Integration erneuerbarer Energien:
• Wie erfolgt der Ausbau der Netzinfrastruktur?
• Einführung eines flexibleren Stromversorgungssystems.
• Speicherkapazitäten sollen ausgebaut werden.
5. Energetische Gebäudesanierung und energieeffizientes Bauen:
• Bis 2020 sollen Neubauten klimaneutral sein, was allerdings EU-weit per Gebäuderichtlinie bereits 2012 eingeführt wird.
• Langfristiger Sanierungsplan aufgrund der damit verbundenen Kosten.
• Wirtschaftliche Anreize sollen dafür geschaffen werden. Erwähnt wird allerdings nicht, wie diese auszusehen haben und woher diese Mittel stammen sollen.
• Verpflichtung der Wirtschaft zu einer regelmäßigen Fortbildung von Handwerkern.
6. Herausforderung Mobilität:
• Ausbau alternativer Antriebsstoffe wie Elektromobilität, Brennstoffzelle oder Biokraftstoffe.
7. Energieforschung für Innovationen und neue Technologien:
• Schwerpunkte sind erneuerbare Energien sowie deren Integration in die Energieversorgung, Energieeffizienz, Energiespeichertechnologien und Netztechniken.
8. Energieversorgung im europäischen und internationalen Kontext:
• Maßnahmen zu einer modernen, CO2-armen und sicheren Energieversorgung inklusive der Erweiterung des EU-Emissionshandels über 2013 hinaus.
9. Transparenz und Akzeptanz:
• Einrichtung einer Informationsplattform und eines Dialogforums im Internet.

Kritisch anzumerken ist, genau wie von vielen Verbänden verlautet, dass das Konzept um die Atomenergie „herumgestrickt“ ist, einige Punkte wenig ambitioniert sind, da der Gesetzgeber dies schon eher einführen wird und, dass bei allen Punkten die Kosten außer Acht gelassen wurden.

Erste Maßnahme ist das 10-Punkte-Sofortprogramm zum Energiekonzept, welches bis zum 31.12.2010 umgesetzt sein muss. Zu diesem Programm gehören:
• Eine Bündelung von Offshore-Projekten bei zukünftigen Genehmigungen.
• Eine finanzielle Förderung der ersten 10 Offshore-Windparks.
• Die Erweiterung einer vorhandenen Netzplattform für den Austausch der wichtigsten Akteure.
• Die Möglichkeit der Anbindung von mehreren Windparks an eine Anschlussleitung.
• Neue Stromspeicherkraftwerke sollen von den Netzentgelten befreit werden.
• Eine Informationsoffensive zur Akzeptanz in der Bevölkerung.
• Vorschriften für den Netzausbau sollen geschaffen werden.
• Die Erweiterung der Möglichkeiten des Energie-Contractings.
• Der Beschluss eines Gesetzesentwurf zur sicheren Erprobung der CCS-Technologie.
• Die Einrichtung einer Markttransparenzzentrale zur „effektiveren Aufdeckung möglichen Fehlverhaltens bei der Preisbildung“.

Weltklimagipfel in Cancún zum Scheitern verurteilt?

Weltklimagipfel Von heute an bis zum 10. Dezember findet der 16. Weltklimagipfel im mexikanischen Cancún statt. Die Vertreter von 194 Staaten sind aufgerufen, endlich konkrete verbindliche Ziele zur Reduzierung von Treibhausgasen festzusetzen. Voriges Jahr in Kopenhagen wurde dies Ziel verfehlt, indem lediglich eine Beschränkung der Erderwärmung auf zwei Grad Celsius erfolgte. Damit Cancún ein Erfolg wird und das Kyoto-Protokoll ab 2012 weiterläuft, sind folgende Punkte zu konkretisieren.

• Grundlage für ein umfassendes Klimaabkommen schaffen.
• Reduzierung von Treibhausgasen: Verbindliche und neue Zusagen aller Länder.
• Überprüfung von Klimaschutzaktivitäten.
• Waldschutz: Geldtransfer an ärmere Länder, die sich für den Schutz der Tropenwälder einsetzen. Mitberücksichtigung des Artenschutzes und der Eigentumsrechte einheimischer Völker.
• Technologietransfer.
• Anpassung an den Klimawandel: Praktische Maßnahmen müssen gerade in den schwer getroffenen Entwicklungsländern umgesetzt werden.
• Finanzierung: Konkrete Ausgestaltung der von den Industrieländern an die Entwicklungsländer zugesicherten Gelder für den Klimaschutz.

Die Erwartungen an den Weltklimagipfel sind hoch, deren Erfüllung wird jedoch eher skeptisch angesehen. Nach den jüngsten Entwicklungen in den USA sieht germanwatch dies eher als unwahrscheinlich an. In einem Hintergrundpapier hat germanwatch eine Alternativstrategie aufgesetzt, wie die Ziele dennoch erreicht werden können. Es ist von dynamischen Elementen die Rede wie etwa Reviewprozesse und entsprechenden angepassten Maßnahmenprozessen, wodurch das System flexibler gestaltet werden kann.

Der BUND sieht zudem alle Vertragsstaaten inklusive der EU in der Pflicht, sich auf weitere Vorgaben nach 2012 hinaus zu einigen – auch ohne die Mitwirkung der USA und anderer Staaten. Nur solange die Industrienationen als Vorreiter voran gehen, kann man auch erwarten, dass die Schwellen- und Entwicklungsländer mitziehen.

Es gibt noch Geld im Fördertopf für Solarwärme

Geld im Fördertopf Wie man auf der Förderampel sieht, stehen noch genügend Mittel für den Bau von Solarwärmeanlagen, Biomasseheizungen und Wärmepumpen aus dem Marktanreizprogramm für dieses Jahr zur Verfügung. Gefördert werden 180 Euro Förderung pro Quadratmeter Bruttokollektorfläche für eine Solarwärmeanlage zur reinen Warmwasserbereitung oder zur Heizungsunterstützung. Hilfe bei der Antragstellung erhalten die Hausbesitzer meistens durch den Fachbetrieb oder der Hausbank.

Folgende Voraussetzungen müssen dabei beachtet werden:
• Gefördert werden Solaranlagen ab 20 bis 40 Quadratmeter Kollektorfläche auf bestehenden Mehrfamilienhäusern mit mindestens drei Wohnungen.
• Erfüllung bestimmter Qualitätskriterien wie etwa das europäische Prüfzeichen „Solar Keymark“.
• Antragstellung muss vor Vorhabensbeginn (Vertragsabschluss) an das Bundesamt für Ausfuhrkontrolle (BAFA) erfolgen.
• Beizufügen bei der Antragstellung: ein Angebot, ein vorhabenbezogenes Anlagenschema für die Solarthermieanlage.
• Die Anlage muss dann innerhalb der nächsten neun Monate gebaut werden.

Weitere Informationen für Vermieter über die Technik, die rechtlichen Rahmenbedingungen bei der Errichtung einer Solarthermieanlage oder etwa spezifische Vorteile von Solarwärme auf Mehrfamilienhäusern können beispielsweise unter www.solarwaerme-info.de/downloads bezogen werden.

Elektroautos als Speicher von erneuerbaren Energien

Der Verkehr ist in Deutschland für etwa 14 Prozent aller CO2-Emissionen verantwortlich. Auch er muss also seinen Beitrag zum Klimaschutz leisten. In Zukunft werden nach Meinung von Experten mehr Elektroautos auf den Straßen fahren, als Autos mit Verbrennungsmotoren. Allerdings liegt der CO2-Auststoß eines Kompaktwagenklasse-Elektroautos bei heutigem Strommix laut der Studie WWF Elektroauto-Studie vom Institut für ZukunftsEnergieSysteme bei über 200g/km. Bis zur CO2-Neutralität ist es also noch weit hin.

Ein Szenario wäre, wenn der Strom zum Antrieb der Elektroautos komplett aus erneuerbaren Energien bezogen würde. Zudem könnten die Elektroautos gleichzeitig als Speichermedium für die erneuerbaren Energien dienen. Eine hundertprozentige Abdeckung der Stromproduktion durch erneuerbare Energien wirft aber noch ein Problem auf. Er unterliegt Schwankungen, da die Sonne nicht immer scheint und der Wind nicht immer weht. Vorhandene Speichermöglichkeiten wie Pumpspeicherkraftwerke oder unterirdische Druckluftspeicher sind begrenzt. Wir berichteten im Artikel Neue Speichermöglichkeit für erneuerbare Energien über eine neue Methode der Umwandlung in Erdgas, welche allerdings noch nicht ausgereift ist.

Wie könnte eine Kombination aus erneuerbaren Energien und Elektromobilität aussehen? Prinzipiell würden die Autobatterien bei Wind oder Sonnenschein aufgeladen werden. Weht kein Wind, wird Strom umgekehrt ans Netz abgegeben. Die Autobatterien würden quasi als Pufferspeicher fungieren. Da Autos sowieso die meiste Zeit stehen, könnten die Auf- oder Entladezeiten währenddessen geschehen.

Folgende Fragezeichen stehen aber noch nahezu unbeantwortet hinter der Theorie:

• Wie steht es mit der Bereitschaft der Nutzer, das Auto immer dann ans Netz zu hängen, wenn es nicht gebraucht wird?
• Ist die Batterie auf einmal leer, weil es irgendwo eine Flaute gab?
• Funktionierende und Flächendeckende Ladeinfrastruktur.
• Schutz der Ladestationen vor Vandalismus.
• Zur Steuerung und Überwachung der Ladestationen aus der Ferne sind Softwarelösungen zu entwickeln.
• Abrechnung des Stromverbrauchs.
• Lithium-Ionen-Akkus kosten laut IZES etwa 8.000 Euro und „altern um so schneller, je öfter man sie auf- und entlädt“. Und dadurch bedingt sind höhere Entsorgungskosten und Umweltbelastungen.
• Intereuropäische Standards: etwa die Kompatibilität der Spannung des Adapters und der Stromtankstelle.
• Preisgestaltung und Handhabung der Elektrofahrzeuge.

Es sind zu diesem Thema noch viele Fragen zu beantworten. Es gibt aber Konzeptlösungen, die bereits heute relativ leicht umgesetzt werden könnten. So könnten etwa Ladestationen an vorhandenen Tankstellen aufgestellt werden, wo sich viele Windparks entlang den Autobahnen befinden. Und einige Batterien erreichen in kleinen Fahrzeugen nach etwa 30 Minuten Ladezeit bereits eine Reichweite von 150 Kilometern – ein Zeitraum, den man während eines Mittagessens an einer Tankstelle durchaus mal verweilt. Eine weitere Lösung wäre etwa, das Ladegerät nicht im Auto, sondern in der Ladesäule unterzubringen. Somit wäre weniger Gewicht im Auto und das Ladegerät könnte größer dimensioniert werden, was den Ladevorgang verkürzen würde. Auch die Stromtarife könnten beispielsweise flexibel an die Ladezeiten angepasst werden, damit die Kombination aus erneuerbaren Energien und Elektromobilität funktioniert: wer beim Aufladen Zeit hat, zahlt beispielsweise weniger und wer schnell aufladen möchte, zahlt mehr.

Von heute auf morgen werden nicht alle Elektroautos fahren wollen und auch nicht können – immerhin sind die Elektroautos noch nicht in Serienproduktion und damit noch nicht zu einem erschwinglichen Preis zu kaufen. In der Übergangszeit werden sich Elektroautos neben Hybridautos und Autos mit Verbrennungsmotoren ihre Nische suchen müssen. Diese wird vor allem in der Stadt mit kurzen Wegen zu finden sein. Private und öffentliche Unternehmen sollten da mit der Umstellung ihrer Fuhrparks mit gutem Beispiel vorangehen.