Über den Frieden

Peace Das Bild hat mich nicht mehr losgelassen und traurig gemacht. An einer Mauer schrieb ein kleiner Junge unter dem Bild einer Drone “Why did you kill my family?” Ein Schicksal, das viele teilen. Massengräber auf Knopfdruck. Zivile Verluste sind Kolateralschäden. Ist es gerechtfertigt, wenn wenige Tote viele Leben retten?

Wer wird in einem Krieg sterben? Es sind die Unschuldigen, die gar nichts mit dem Kampf um die Vorherrschaft auf der Welt zu tun haben. Nicht wenige sind der Meinung, dass die Krise in der Ukraine zu einem neuen Aufflammen des kalten Krieges fϋhren kann. Oder sogar zu einem neuen Weltkrieg. Wollen wir das wirklich? Du sollst nicht morden. Was schon damals im Buch aller Bϋcher festgehalten wurde, ist heute aktueller denn je.

Wer wird in einem Krieg gewinnen? Gewinner sind eigentlich nur die Waffenproduzenten und –händler. Oder wie es in einem Lied in den 80ern heiβt “Friend only to the undertaker!” In der Ukraine stehen die Sicherung der Märkte im Vordergrund. Beispiele dieser Art könnten viele genannt werden. Statt fϋr Reichtum und Sicherheit mϋsse fϋr Frieden gesorgt werden.

In Deutschland herrscht seit langem Frieden. Wir leben in Wohlstand und Luxus. Wir können uns jegliche Arten der neuesten Elektronik leisten. Die wenigsten wissen wahrscheinlich, dass diese seltene Erden benötigen, welche aus Afrika kommen und dort fϋr Armut sorgen oder damit sogar Bϋrgerkriege finanziert werden.

Es gibt keinen Weg zum Frieden. Frieden ist der Weg. (Mahatma Gandhi)

Wie also ist der Frieden zu erreichen? Wie der Philosoph Baruch de Spinoza bereits im 17. Jahrhundert schrieb, “ist Frieden mehr als die Abwesenheit von Krieg. Frieden ist eine Tugend, eine Geisteshaltung, eine Neigung zu Gϋte, Vertrauen, Gerechtigkeit.” Der Mensch wird als friedvolles Wesen geboren. Durch die Gesellschaft geht dies leider verloren. Dennoch kann man diese Einstellung wieder erlangen. Voraussetzung dafϋr ist, so Konstantin Wecker, “ein persönlicher Wandel.”

Und dieser Wandel ist zu erreichen. Einer der bewegendsten Dokumentarfilme, an den ich mich erinnern kann, ist der 2003 gezeigte Film “Promises”. Palästinensische und jϋdische Kinder verbringen gemeinsam einen Sommer lang zusammen. Am Anfang voller Vorurteile, entstand am Ende eine Freundschaft ϋber Grenzen hinaus. Es ist also möglich, die eigenen Schranken zu verlassen. Wenn man sich nämlich die Mϋhe macht, die Ängste und Träume der anderen kennen zu lernen, ist dies der erste Schritt zu erkennen, dass alle Menschen eine Einheit bilden können.

Beispiele an Vorbildern gibt es viele – einige wenige möchte ich hier erwähnen. So etwa Mahatma Gandhis Methode der Gewaltlosigkeit und des passiven Widerstandes. Mit der gleichen Methode schaffte es Martin Luther King, die Rassentrennung in den USA zu Fall zu bringen. Und wie groβ ist die Geste des Verzeihens und der Versöhnung von Mandela nach der Apartheit und nach 27 Jahren Haft.

Frieden ist also Verstehen, Wandel in sich selber, ohne Vorurteile sein, Verzeihen. Wer dies kann beziehungsweise wer dies lebt, trägt ein Stϋck weit zum Frieden bei.

Am Ende möchte ich Charlie Chaplins 1940 entstandenen Film “Der groβe Diktator” erwähnen. Seine Rede, als er am Ende mit dem Diktator verwechselt wird und die Chance erhält, vor dem Volk zu reden, ist ein Appell an die Menschlichkeit. Und an einen damals wie heute sehnsϋchtig erwϋnschten Weltfrieden.

What is the strongest force on earth?

What is the strongest force on earth?

The strongest force on earth Wie wäre eure Antwort auf diese Testfrage in der vierten Schulklasse gewesen? Sind es vielleicht die gröβten Containerschiffe der Welt oder die Kraftwerke zur Herstellung unserer benötigten Energie? Selbst die "richtige" Antwort der Erdanziehungskraft verblasst gegenüber der Antwort eines jungen Kindes auf dem Testbogen, dem er seinen Lehrer abgegeben hat. Ganz einfach war seine Antwort: Liebe. Und wie herzlos klingt das durch den Lehrer mit roter Farbe daneben geschriebene Wort "falsch".

Planet4Life hat zwei Jahre Pause gemacht. Zwei Jahre, in denen viel passiert ist. Die Liebe gefunden und das schönste Geschenk auf Gottes Erden erhalten: unseren Sohn. Ein Kind wird ohne Vorurteile geboren. Ein Kind erfährt und gibt bedingungslose Liebe. Eine Eigenschaft, die uns Erwachsenen abhanden gekommen zu sein scheint. Ich habe gelernt, dass ein Kind nicht in erster Linie geboren wird, damit wir ihn belehren. Ein Kind wird geboren, um uns den Weg zu zeigen, um das Kind in uns zu heilen.

Die Frage, ob es in der heutigen Zeit noch ratsam sei, Kinder in die Welt zu setzen, hat sich uns gar nicht erst gestellt und ist mit einem eindeutigem "Ja" zu beantworten. Eine neue Seele bringt so viel Licht in diese Welt und gibt dieses Licht an jeden Mitmenschen weiter. Es berührt das Licht der Liebe in einem Menschen und setzt die positive Energie in Jedem frei. Es ist diese positive Energie in jedem Individuum, die eine Veränderung in uns hervorbringen kann und somit auch zu einem bewussteren Leben führt. Ich bin dankbar, dass meine Frau lichtvoll und mit viel Liebe zu mir gehalten hat und diesem wunderbaren Menschen das Leben geschenkt hat. Und ich bin dankbar, dass ich jeden Tag Teil dieses Wunders sein darf.

Bedingungslos lieben bedeutet "ohne Bedingungen" zu lieben. Nicht "wenn du mir Liebe gibst, dann bekommst auch du meine Liebe" oder "bekomme ich keine Liebe von dir, dann gebe ich dir auch keine zurück". Nein. Dieses ewige Denken des Gebens und Nehmens muss man loslassen. Wir kreieren unsere Umwelt in uns selbst. Dazu gehört Mut. Mut des Loslassens alter Strukturen und Mut neue Wege zu gehen.

Aber wieviel kann ein einziges mutiges Herz bewegen? Viel! Ich denke immerzu an die Rede von Severn Cullis-Suzuki vor dem U.N. Earth Summit im Jahre 1992. Und jedes Mal beim Ansehen des Videos kommen mir die Tränen. Nicht nur wegen der – immer noch aktuellen – Dringlichkeit der Probleme, sondern vor allem wegen ihrer lichtvollen Worte und des Mutes des 12-jährigen Mädchens, sich für die Zukunft der nächsten Generation einzusetzen. Nun, nicht jeder ist dazu geboren, vor dem U.N. Kongress zu sprechen, aber jeder noch so kleine Mut, sich für eine bessere Welt einzusetzen, bringt uns weiter. In diesem Sinne möchte Planet4Life wieder für euch da sein und motivieren, Mut und Liebe zu zeigen.

Schlieβen möchte ich mit dem "Hohelied der Liebe" aus 1 Korinther 13:

"Die Liebe ist geduldig und freundlich.
Sie kennt keinen Neid, keine Selbstsucht,
sie prahlt nicht und ist nicht überheblich.
Liebe ist weder verletzend
noch auf sich selbst bedacht,
weder reizbar noch nachtragend.
Sie freut sich nicht am Unrecht,
sondern freut sich, wenn die Wahrheit siegt.
Diese Liebe erträgt alles, sie glaubt alles,
sie hofft alles und hält allem stand."

Laos: zu schnelle Entwicklung auf Kosten der Armen?

Laos ist eines der ärmsten Länder der Welt. Bis zum Jahr 2020 will es diesen Status verlieren. Dafür öffnet sich das Land den internationalen Märkten. Aber ist dies vielleicht zu schnell? Wer wird im Endeffekt darunter leiden?

Zur Zeit wird der Grund und Boden per GPS vermessen und in einem Kataster festgehalten. 80 Prozent der Wirtschaft basiert auf Landwirtschaft. Doch auch wenn die laotischen Bauern das Ihnen zu gewiesene Land nutzen können, um Reis oder Gemüse anzubauen, gehört es immer noch der kommunistischen Regierung.

Auch Deutschland beteiligte sich an der Landvermessung und fand laut Wiesbadener Kurier heraus, dass etwa 20 Prozent der Landesfläche zumeist an ausländische Investoren vergeben wurden, vor allem an die reichen Nachbarn wie China, Thailand oder Vietnam. Die haben nicht nur am Land Interesse, sondern auch an den anderen Rohstoffen wie Bodenschätze und Energie.

Durch die Vergabe des Landes an ausländische Investoren kommen immer mehr besser ausgebildete Fachleute aus diesen Ländern nach Laos, womit die laotischen Bauern leer ausgehen. Trotz Limitierung der ausländischen Arbeitskräfte auf maximal zehn Prozent ist das Problem nicht behoben, denn die Führungspositionen werden genau durch diese besetzt.

Wenn das Land nicht dem Rohstoffhunger der Nachbarländer zum Opfer fallen soll, muss unserer Meinung genau hier angesetzt werden: in die Ausbildung der laotischen Bevölkerung zu Facharbeitern.

Zeiten verändern Kapstadt

Der erste Moment, die Sonne Kapstadts auf der Haut und den Wind des Atlantiks um die Nase herum zu spüren und den Boden zu berühren ist etwas Besonderes. Doch diesmal ist es irgendwie anders. Das Gefühl ist schwer zu beschreiben. Hat sich etwas verändert? Was hat sich geändert?

Ist es der erste Eindruck, dass die Schere zwischen Reich und Arm noch weiter auseinander zu klaffen droht? Ich habe 2010 boykottiert, zur Weltmeisterschaft zu gehen. Die Tatsache, dass um die Stadien herum, einheimische Händler vertrieben wurden, und nur FIFA-lizenzierte Händler Geschäfte machen durften, hat mich wütend gemacht. Sogar ganze Viertel wurden umgesiedelt, um den Touristen eine heile Welt vorzugaukeln. Mein Lieblingsflohmarkt ist weg – einfach nicht mehr da. Und damit ein fröhliches, buntes Treiben. Und die unvorstellbar teuren Stadien stehen unausgelastet da.

In den reichen Vierteln tummeln sich noch mehr schöne Menschen, noch mehr teure Autos, noch mehr Konsum. Wie mir durch Gespräche mitgeteilt wurde, herrscht erhöhte Sicherheit und weniger Kriminalität. Was man merkt und was auch gut ist, aber für welchen Preis? Aufpolierte Touristenviertel, um die wahren Probleme zu verbergen. Und wie sieht es mit den Problemen in den Townships aus? Kapstadt – oder vielmehr ganz Südafrika – hat viele Probleme zu bewältigen. Einige möchte ich hier mal beispielhaft anbringen.

– Südafrika scheint immer weniger Geld für die Ärmsten der Armen zu haben. Wurden allen Bewerbern aus den Townships 1996 noch versprochen, bis Ende 2012 ein festes Haus von der Regierung gebaut zu bekommen, so wird dieses Ziel wohl bei Weitem verfehlt werden.
– Südafrika braucht viel Energie für die wachsende Wirtschaft. Leider gehen die Pläne der Regierung in Richtung Bau neuer Atomkraftwerke statt auf erneuerbare Energien zu setzen.
– Die Einführung eines nationalen Gesundheitsversicherungssystems wird noch weitere 14 Jahre dauern.
– Lehrer müssen besser ausgebildet und bezahlt werden, damit auch verstärkt jüngere, gut ausgebildete Lehrer in den Dienst einsteigen.
– Es gibt Anzeichen, dass der National Council of Provinces einem Gesetz zustimmen wird, das aus der Apartheitzeit stammen könnte. Das „Protection of State Information Bill“ erlaubt dem Staat, Staatsgeheimnisse zu schützen und der Öffentlichkeit fern zu halten. Dies würde eine Einschränkung der Öffentlichkeitsrechte auf Informationszugang, Medienfreiheit und Transparenz bedeuten. Meinungen gehen soweit, dass befürchtet wird, Südafrika könne das zweite Simbabwe werden. Ein Zustand, der nicht im Sinne von Madiba’s Vorstellungen eines neuen Südafrikas war.
– Es gibt jeden Tag bis zu 1.500 Asylsuchende (gerade aus dem Horn Afrikas oder Simbabwe), die sich in den Townships niederlassen. Zudem herrscht Gewalt zwischen den Einheimischen und den Flüchtlingen. Steigende Bevölkerungszahlen bedeuten zusätzlichen Druck auf Beschäftigungszahlen, Bildung und die Bereitstellung von ausreichenden Nahrungsmitteln.
– Offizielle Zahlen sprechen von einer Arbeitslosenquote von 25%. Inoffiziell geht man davon aus, dass die Quote zwischen 40 und 45% liegt.

Es gibt aber zum Glück auch positive Geschichten – und von einer möchte ich kurz berichten. Die Geschichte des 18-jährigen Mbu Maloni, der von seinen Eltern keine Liebe erhielt, ein heimatloses Straßenkind wurde und somit unweigerlich zu Drogen und Alkohol griff, um die Schmerzen zu betäuben. Im Juli 2010 hat er den Weg zu „Homes for Kids in South Africa (Hokisa)“ gewagt, wo er zum ersten Mal die Unterstützung eines Mentors und der Erwachsenen erhielt. Ein paar Monate später ist sein bester Freund Atie ermordet worden, was sein Leben komplett veränderte. In all seiner Brutalität und Ehrlichkeit hat er seine Geschichte und die von Atie in einem Buch verfasst, um den Tausenden Kindern, die immer noch auf den Straßen leben, eine Stimme zu geben. Und mehr noch, er hofft dadurch erreichen zu können, dass andere Jugendliche Alkohol und Drogen nicht als Lösung ansehen. Seiner Meinung nach, ist Bildung die bessere Lösung, um der Armut zu entfliehen. Ein Statement, dass man nur unterstützen kann.

Große Herzen alleine reichen nicht

Endlich habe ich es geschafft, „Life Community Welfare“ vor Ort zu besuchen. Jene Organisation, die sich für Kinder in den Townships von Kapstadt einsetzt. Die Zentrale befindet sich in Elsies River. Zusammen mit den beiden Organisatorinnen Nomsa und Elisabeth haben wir über die Erfolge, aber auch über ernüchternde Ereignisse gesprochen.

Erfolgreich waren auf jeden Fall die Anfang Dezember organisierten „Christmas Parties“. Das obige Bild zeigt eine Gruppe Kinder mit den Betreuern, nach der Geschenkeverteilung durch Nikolaus. Seit Jahren werden die „Christmas-Parties“ in verschiedenen Townships organisiert. Und dabei geht es nicht nur darum, die Kinder zu unterhalten, sondern „sie zu motivieren, bessere Menschen in ihrer Zukunft zu werden“, so Nomsa Mninzi. Folgender Zeitungsausschnitt aus den Vulkani-News zeigt eine Gruppe von Kindern und deren Betreuern mit den Geschenken.

Jedoch wird es immer schwieriger, Spendengelder einzuholen. Der Vertrag mit einem größeren lokalen Industriekonzern ist ausgelaufen und wurde nicht verlängert. Und auch die regionale Regierung von Western Cape senkt seit einiger Zeit die Fördermittel für wohltätige Organisatoren; und „auch in Zukunft werden die Mittel wohl noch weiter gekürzt“, so Mninzi. Gelder, die eigentlich dringend benötigt werden, um permanente Mitarbeiter einzustellen. Aktuell können tolle Programme wie Fußball für Straßenkinder oder PC-Schulungen leider nicht durchgeführt werden, weil die Lehrer bzw. Trainer nicht bezahlt werden können.

Trotz allen Widrigkeiten, die dem Team entgegenstehen, war es beeindruckend zu sehen, dass alle mit Leidenschaft bei der Sache sind und immer alles für das Wohl der Kinder geben. So findet etwa die Suppenküche für Schüler aus der Umgebung, die sonst keine warme Mahlzeit erhalten würden, täglich statt. Oder die ständige Aufklärung von Lehrern und Schülern in Sachen HIV/Aids in den Schulen vor Ort.

Das Team in Elsies River besteht aus ehrenamtlichen Frauen mit großem Herzen, die ihre Kraft ohne ein Cent zu erhalten jeden Tag von morgens bis abends für die Kinder der Townships von Kapstadt einsetzen.

Mit gemischten Gefühlen endete der Besuch. Einerseits bedrückend, dass so viel mehr getan werden könnte, wenn das nötige Geld dafür aufgetrieben werden kann. Andererseits hoffnungsvoll, dass es Menschen gibt, deren Engagement nicht genügend gewürdigt werden kann.

Love Mzantsi fo sho!