Elektroautos als Speicher von erneuerbaren Energien

Der Verkehr ist in Deutschland für etwa 14 Prozent aller CO2-Emissionen verantwortlich. Auch er muss also seinen Beitrag zum Klimaschutz leisten. In Zukunft werden nach Meinung von Experten mehr Elektroautos auf den Straßen fahren, als Autos mit Verbrennungsmotoren. Allerdings liegt der CO2-Auststoß eines Kompaktwagenklasse-Elektroautos bei heutigem Strommix laut der Studie WWF Elektroauto-Studie vom Institut für ZukunftsEnergieSysteme bei über 200g/km. Bis zur CO2-Neutralität ist es also noch weit hin.

Ein Szenario wäre, wenn der Strom zum Antrieb der Elektroautos komplett aus erneuerbaren Energien bezogen würde. Zudem könnten die Elektroautos gleichzeitig als Speichermedium für die erneuerbaren Energien dienen. Eine hundertprozentige Abdeckung der Stromproduktion durch erneuerbare Energien wirft aber noch ein Problem auf. Er unterliegt Schwankungen, da die Sonne nicht immer scheint und der Wind nicht immer weht. Vorhandene Speichermöglichkeiten wie Pumpspeicherkraftwerke oder unterirdische Druckluftspeicher sind begrenzt. Wir berichteten im Artikel Neue Speichermöglichkeit für erneuerbare Energien über eine neue Methode der Umwandlung in Erdgas, welche allerdings noch nicht ausgereift ist.

Wie könnte eine Kombination aus erneuerbaren Energien und Elektromobilität aussehen? Prinzipiell würden die Autobatterien bei Wind oder Sonnenschein aufgeladen werden. Weht kein Wind, wird Strom umgekehrt ans Netz abgegeben. Die Autobatterien würden quasi als Pufferspeicher fungieren. Da Autos sowieso die meiste Zeit stehen, könnten die Auf- oder Entladezeiten währenddessen geschehen.

Folgende Fragezeichen stehen aber noch nahezu unbeantwortet hinter der Theorie:

• Wie steht es mit der Bereitschaft der Nutzer, das Auto immer dann ans Netz zu hängen, wenn es nicht gebraucht wird?
• Ist die Batterie auf einmal leer, weil es irgendwo eine Flaute gab?
• Funktionierende und Flächendeckende Ladeinfrastruktur.
• Schutz der Ladestationen vor Vandalismus.
• Zur Steuerung und Überwachung der Ladestationen aus der Ferne sind Softwarelösungen zu entwickeln.
• Abrechnung des Stromverbrauchs.
• Lithium-Ionen-Akkus kosten laut IZES etwa 8.000 Euro und „altern um so schneller, je öfter man sie auf- und entlädt“. Und dadurch bedingt sind höhere Entsorgungskosten und Umweltbelastungen.
• Intereuropäische Standards: etwa die Kompatibilität der Spannung des Adapters und der Stromtankstelle.
• Preisgestaltung und Handhabung der Elektrofahrzeuge.

Es sind zu diesem Thema noch viele Fragen zu beantworten. Es gibt aber Konzeptlösungen, die bereits heute relativ leicht umgesetzt werden könnten. So könnten etwa Ladestationen an vorhandenen Tankstellen aufgestellt werden, wo sich viele Windparks entlang den Autobahnen befinden. Und einige Batterien erreichen in kleinen Fahrzeugen nach etwa 30 Minuten Ladezeit bereits eine Reichweite von 150 Kilometern – ein Zeitraum, den man während eines Mittagessens an einer Tankstelle durchaus mal verweilt. Eine weitere Lösung wäre etwa, das Ladegerät nicht im Auto, sondern in der Ladesäule unterzubringen. Somit wäre weniger Gewicht im Auto und das Ladegerät könnte größer dimensioniert werden, was den Ladevorgang verkürzen würde. Auch die Stromtarife könnten beispielsweise flexibel an die Ladezeiten angepasst werden, damit die Kombination aus erneuerbaren Energien und Elektromobilität funktioniert: wer beim Aufladen Zeit hat, zahlt beispielsweise weniger und wer schnell aufladen möchte, zahlt mehr.

Von heute auf morgen werden nicht alle Elektroautos fahren wollen und auch nicht können – immerhin sind die Elektroautos noch nicht in Serienproduktion und damit noch nicht zu einem erschwinglichen Preis zu kaufen. In der Übergangszeit werden sich Elektroautos neben Hybridautos und Autos mit Verbrennungsmotoren ihre Nische suchen müssen. Diese wird vor allem in der Stadt mit kurzen Wegen zu finden sein. Private und öffentliche Unternehmen sollten da mit der Umstellung ihrer Fuhrparks mit gutem Beispiel vorangehen.