Hilfsaktion in Indien – Nachahmen erwünscht

Hilfsaktion in Indien – Nachahmen erwünscht

Hilfsaktion in Indien Mein Freund und ich hatten uns im letzten Jahr nach Weihnachten über die Sinnlosigkeit der Hin- und Her-Schenkerei unterhalten. Viele hundert Euros, die man für Rasierwasser, Parfum, Pullover, Schals, Kameras, CD´s, Socken usw. für seine/n Liebsten ausgibt und was mit Geld an Sinnvollerem möglich wäre. Wir sind sehr dankbar, dass wir hier in Deutschland geboren wurden und sind davon überzeugt, dass wir einfach nur großes Glück hatten. Wir hätten genauso gut in Äthiopien, Indien oder in einem kriegsgebeutelten Land zur Welt gekommen sein können.

Jedes Mal, wenn ein Spendenaufruf im Fernsehen kam, der auf hilfebedürftige Menschen nach Erdbeben oder anderen Naturkatastrophen aufmerksam machte, hatten wir Bedenken zu spenden, weil wir nicht wussten, in welchen Kanälen die Spendengelder wirklich versickern. Somit war die Idee und der feste Wille geboren, selber etwas zu tun und zwar mit eigenen Händen, am Ort des Geschehens.

Anfangs hatten wir überlegt, die die Industrie auf Sachspenden anzusprechen, haben aber den Gedanken schnell wieder verworfen, weil wir 1. keine Schwierigkeiten am Zoll mit dem Einführen z.B. von Milchpulver oder Medikamenten bekommen wollten, 2. die örtliche Wirtschaft auf den Märkten unterstützen wollten

und 3. wir auch das Risiko der Unverträglichkeit nicht eingehen wollten. Hätten wir beispielsweise Babynahrung aus Deutschland mit in indische Waisenhäuser genommen, hätten sicherlich die Schwestern Probleme mit dem Lesen und Verstehen der Zubreitungsanweisung bekommen. Außerdem wollten wir das Risiko der Unverträglichkeit nicht eingehen. Was deutsche Babys gut vertragen kann bei den Kleinen Inder/innen schon ganz anders sein. Somit haben wir lediglich Seifenblasen und Luftballons zur Kinderbespaßung aus Deutschland mitgenommen.

Mein Freund und ich sind im Sommer letzten Jahres umgezogen und haben eine Einweihungsparty gegeben. Viele Freunde waren eingeladen und wir baten darum, uns keine Blumen, Weinflaschen oder sonstige Geschenke mitzubringen. Stattdessen haben wir eine Spendenbox aufgestellt und jeder der wollte, war herzlichst eingeladen, sich an unserem Vorhaben zu beteiligen.

Diese Spendenbox habe ich auch mit ins Büro genommen und meinen Kollegen und Kolleginnen, wie auch unserer Geschäftsführung berichtet und darum gebeten, einen Beitrag zu leisten. Wir konnten keine Spendenquittungen ausstellen, dafür aber jedem garantieren, dass jeder der uns anvertrauten Euros bei Menschen in Not ankommen würde. Ich habe versprochen, im Anschluss unserer Reise eine Dokumentation zu erstellen, damit sich jeder überzeugen konnte, wofür wir das Geld ausgegeben haben. Folgendes Video gibt einen kleinen Eindruck:

Die Spendenbereitschaft meiner Kollegen hat uns tief beeindruckt, zwei Kolleginnen haben sogar ihre Geschwister vom Vorhaben informiert und Spendengelder von ihnen mitgebracht und in die Box geworfen.

Bei unserem Besuch in dem Kinderheim im Norden Indiens an der Grenze zu Pakistan ist uns ein kleiner liebenswerter Junge (etwa 4 Jahre alt) besonders aufgefallen. Er konnte nicht laufen und robbte sich mithilfe seiner Arme vorwärts. Die Heimdirektion konnte uns nicht genau sagen, was es mit den Beinen des Jungen auf sich hatte, weil die Mittel für eine Untersuchung bisher gefehlt hatten. Besonders traurig ist, dass der Bruder von Raoul ebenfalls in dem Waisenhaus lebte, aber gesund war und deshalb bereits adoptiert werden konnte. Eigentlich versucht man es zu vermeiden, Geschwisterkinder von einander zu trennen, aufgrund der schweren Behinderung von Raoul wurde im Interesse seines Bruders eine Ausnahme gemacht.

Das Schicksal des kleinen Jungen hat uns sehr ergriffen und wir haben uns spontan bereit erklärt, die Behandlungskosten zu übernehmen. Zwischenzeitlich konnte er sogar in Delhi operiert werden und befindet sich auf dem Weg der Besserung. Wir werden dran bleiben und alles tun, damit er irgendwann laufen können wird, sich seine Lebensqualität erheblich verbessern kann und somit vielleicht ebenfalls die Chance bekommt, wie sein Bruder, ein neues Zuhause zu finden.

Wir wissen selber, dass wir die Armut in Indien nicht stoppen werden. Vielleicht fühlen sich ja jetzt einige Leserinnen und Leser motiviert, selber etwas zu tun. Es muss ja nicht gleich eine Reise in ein fernes Land sein. Nicht mehr benötigte Spielsachen in ein Frauenhaus zu bringen oder eine ausrangierte Wolldecke einem Obdachlosen in der Fußgängerzone zu spenden, wäre doch schon etwas ganz Wunderbares. Es sind sicher auch die kleinen Gesten, die nichts als Überwindung kosten, die im täglichen Miteinander einen Unterschied machen.