Fracking in Deutschland verhindern

Letzten Freitag wurde im Bundestag über das neue Fracking-Gesetz abgestimmt.

Der Vorschlag wurde noch kurzfristig, nach massiven Druck aus der Industrie, eingebracht. Der Zeitpunkt war wohl denkbar günstig dieses Thema, welches in der Bevölkerung auf enormen Widerstand stößt, dank der aktuell großen Aufmerksamkeit bzgl. EM und Brexit, relativ unbemerkt durchkriegen zu können.

Dank des Umweltinstitut München e.V. haben wir jedoch davon erfahren und konnten an deren E-Mail-Aktion teilnehmen und dies auch weiter verbreiten. Darüber hinaus habe ich noch eine selbst verfasste E-Mail an die Bundestagsabgeordnete meines Wahlkreises Frau Dr. Kristina Schröder gesendet. Leider jedoch – quelle surprise – gab es kein Feedback. Den Inhalt habe ich, falls Interesse besteht, an das Ende dieses Beitrags hier gestellt.

In der Abstimmung im Bundestag wurde dann auch mit großer Mehrheit für den Vorschlag gestimmt. In der folgenden Tabelle ist das genaue Abstimmungs-Ergebnis zu sehen:

Ja 435
Nein 109
Enthaltung 9
Nicht abgegeben 77

Inhaltlich sah es auf den ersten Blick sogar aus, als ob mit dem Vorschlag endlich Fracking in Deutschland vom Tisch sein könnte. Jedoch leider nur auf den ersten Blick. Denn in dem Entwurf wurde eine nicht nachvollziehbare Unterscheidung zwischen konventionellem und unkonventionellem Fracking gemacht:

  • Beim konventionellem Fracking handelt es sich um die Förderung von Tight Gas, was bereits seit den 1960er Jahren in Deutschland betrieben wird (und viele der selben Risiken und Probleme birgt).
  • Beim unkonventionellen Fracking handelt es sich um die Förderung von Schiefergas- und Kohleflözförderung.

In einem späteren Artikel werde ich einmal ausführlich über Fracking selbst schreiben, um noch einmal das Verfahren, aber auch die Gefahren genauer zu beleuchten.

Das unkonventionelle Fracking soll unbefristet verboten werden. Soweit so gut. Zuerst dachte ich sogar: perfekt! Go for it! Denkste. Irgendwas stimmte hier nicht …!

Ich habe es mir dann noch einmal vom Umweltinstitut München e.V. erklären lassen, da im Web nicht wirklich viel Detailiertes zu finden war bzw. die Quellen sich widersprachen. Hier nochmal besonderen Dank an die Referentin für Energie und Klima beim Umweltinstitut Frau Franziska Buch. Das Fracking von Schiefergas- und Kohleflözförderung wird zwar erst einmal verboten, jedoch sollen 4 Probebohrungen durchgeführt werden und dann 2021, auf Grundlage der dadurch gewonnenen Erkenntnisse, erneut über genau dieses unkonventionelle Fracking abgestimmt werden. Kann mir bitte einer verraten, was dann dieses “unbefristet verboten” bedeuten soll, wenn in 5 Jahren das Ganze noch einmal aufgerollt wird? ABM für Abgeordnete? Über diese Probebohrungen können die Länder zwar ein Veto einlegen, aber es werden sich schon ein paar finden, die auch auf Länderebene entsprechend besetzt sind …

Worst-Case ist hier – so zynisch dies auch klingt – wenn bei diesen Probebohrungen “oberflächlich” nichts passiert (oder Störfälle nicht gemeldet werden). Was sind hier schon 5 Jahre? Hier sind u.U. Prozesse am Werk die vielleicht 10, 20, 50, 100 oder mehr Jahre benötigen, bis sie “Früchte” tragen …

Und – die nächste Krux – das konventionelle Fracking von Tight Gas war in dem Entwurf gar nicht Verhandlungssache! Aufgrund dieser de­fi­ni­to­rischen Unterscheidung von konventionell und unkonventionell ist damit nur letzteres (vorerst) verboten worden. Das konventionelle Fracking, was seit knapp 5 Jahren aufgrund des großen Widerstandes in der Bevölkerung auf Eis gelegt wurde, wird damit nun wieder wohl anlaufen.

Wir scheinen einfach nicht dazuzulernen.

An dieser Stelle – nachträglich – vielen Dank an das Umweltinstitut München e.V. für das starke und langjährige Engagement, zusammen mit weiteren Umweltverbänden und Bürgerinitiativen für ein generelles und unbefristetes Fracking-Verbot zu kämpfen. Sie werden auch weiterhin für ein vollständiges Fracking-Verbot in Deutschland zusammen mit anderen kämpfen und wir werden sie mit unseren bescheidenen Mitteln unterstützen. Hier eine Stellungnahme zur Abstimmung im Bundestag letzten Freitag: Einschränkungen für Fracking, aber kein Verbot.

Und hier die oben erwähnte E-Mail an die Bundestagsabgeordnete meines Wahlkreises:

Sehr geehrte Frau Dr. Kristina Schröder,

Unternehmen, die ein wirtschaftliches Interesse haben, erzählen uns, dass Fracking unbedenklich und kontrollierbar sei. Experten, mögen sie auch unabhängig und neutral sein, erzählen uns dies auch. Aber jeder von uns kann Beispiele von vorerst als sicher eingestuften Technologien, Verfahren oder Substanzen nennen, bei denen sich jedoch nach Jahren, vielleicht auch erst nach Jahrzehnten herausgestellt hat, dass diese nachhaltig Schäden für Mensch und Umwelt bereits verursachten und/oder für lange Zeit verursachen werden.

Fakt ist, wir wissen viel zu wenig. Was wir wissen ist jedoch:
 - Ohne Gesundheit ist alles nichts.
 - Und auf Grundlage einer zerstörten oder vergifteten Umwelt ist der Mensch nicht lebensfähig.

Am morgigen Freitag soll der Bundestag über den Gesetzesentwurf zum Thema Fracking in Deutschland abstimmen. Auf den ersten Blick sieht es aus wie ein kleiner Sieg gegen Fracking in Deutschland, da das sog. unkonventionelle Fracking von Schiefergas- und Kohleflözförderung verboten werden soll. Jedoch wird das konventionelle Fracking von Tight Gas, was seit den 1960er Jahren in Deutschland betrieben wird und viele der selben Risiken und Probleme birgt wie unkonventionelles Fracking, aussen vor gelassen, und dadurch wird implizit die bisherige Erlaubnis hierfür, die nur auf Eis gelegt wurde, wieder in Kraft treten. Zudem sollen Probebohrungen eine erneute Abstimmung zum Fracking von Schiefergas- und Kohleflözförderung in 2021 vorbereiten. Hierüber dürfen zwar die Länder entscheiden, aber auch dies wird so nicht verhindert werden können. Und auf Grundlage von maximal 5 Jahren "Forschung" soll dann erneut über unkonventionelles Fracking entschieden werden.

Mit diesem Hintergrund stelle ich mir als Bürger dieses Landes das Verfahren des Frackings - egal ob konventionelles und unkonventionelles Fracking - vor und frage mich, warum wird hierüber überhaupt so lange diskutiert und dieses nicht aufgrund potentieller Umwelt- und Gesundheitsgefahren schlicht und einfach und generell verboten? Und hiermit frage ich auch Sie, Frau Dr. Schröder, genau das, da Sie die Abgeordnete meines Wahlkreises sind.

Hier soll eine Technologie eingesetzt werden, bei der ein giftiges Wasser-Sand-Chemikalien-Gemisch ins Erdreich gepumpt wird, dort unter enormen Druck Gesteinsschichten aufgesprengt werden, sich dabei nur näherungsweise kontrollierbar die gewünschten Risse bilden, dann dieses mittlerweile weiter angereicherte giftige Gemisch als Rückfluss oder auch Flowback teilweise, aber auch nur teilweise, wieder zurück an die Oberfläche fliessen soll, um dann das Gas abgreifen zu können.

Das alleine ist doch schon ökologischer Irrsinn! Finden Sie nicht? Von diesem Kaliber hatten wir schon einiges in der Vergangenheit, was uns aktuell und noch lange in die Zukunft hinein enorme Probleme bereiten wird. Müssen wir noch eins drauf packen, um uns der Profitgier von ein paar Unternehmen zu beugen? Und dann noch eins, und noch eins? Wann endlich lernen wir aus unseren Fehlern?

Zusätzlich, wie bei jeder Bohrung nach Gas oder Öl, fallen auch hier beim Fracking giftige Bohrschlämme und Lagerstättenwasser an, welche wiederum ein Gemisch aus Schlamm und Gestein, versetzt mit krebserregenden Kohlenwasserstoffen, Quecksilber, Arsen und natürlich radioaktiven Partikeln sind. Für die Entsorgung des Flowbacks, des giftigen Bohrschlamms und vor allem des Lagerstättenwassers gibt es ebenfalls keine Konzepte, wie dies wirklich sauber, sicher, zeitnah und zugleich auch wirtschaftlich durchzuführen ist. Am Ende bleibt der Steuerzahler auf diesen Kosten sitzen, zusätzlich zu der tickenden Zeitbombe direkt unter ihm. Oder die Entsorgung wird auf andere Länder abgewälzt, deren Bevölkerung sich nicht dagegen wehren kann und deren korrupte Regierungen sich dieses "Vorgehen" gut bezahlen lassen. Kommt Ihnen das alles als Politikerin nicht bekannt vor? Oder wird es diesmal nicht so laufen? Können Sie das garantieren? Auch über Ihre Amtszeit hinaus?

Und wofür das Ganze? Das Gesamtvorkommen des frackbaren Gases in Deutschland beläuft sich geschätzt auf das 7 bis 26-fache des Jahresverbrauchs von Deutschland. D.h. Deutschland könnte sich für diese Zeitspanne von jeglichen Gas-Importen unabhängig machen, sofern der Verbrauch nicht steigt und sofern sämtliche Fracking-Felder erschlossen würden, auch explizite Natur- und Wasserschutzgebiete. Nach Studien, die neuere Erfahrungsberichte aus den USA von - entgegen den ebenfalls von Experten ausgestellten Erwartungen - erheblich sinkenden Förderungsmengen einbeziehen, geht man mittlerweile jedoch eher von der unteren Skala aus. Und für eine einzige Dekade, manche sprechen auch von 12 oder 13 Jahren sollen wir auf unabsehbare Zeit ein unabsehbares ökologisches und gesundheitliches Risiko eingehen?

Die Vollabdeckung wird natürlich faktisch nicht angestrebt, die Rede ist von einem Teil. Hier fallen Zahlen von 3% bis 10% des Erdgasverbrauches. Ja, es geht hier um die Energieversorgung. Aber dieser Anteil lässt sich anderweitig sicherer und ökologischer abdecken. Z.B. Förderung der Erneuerbaren Energien wieder verstärken und nicht wie zuletzt ausbremsen. Oder z.B. Einsparungen. Eine immer noch viel zu wenig beachtete Möglichkeit in der ganzen Energie-Debatte.

Sie merken, ich könnte noch Weiteres schreiben, z.B. von dem hohen Methanausstoß bei der Erdgasförderung mit Fracking erzählen und wie schlecht dies für die Eindämmung der Klimaerwärmung ist, aber auch das wissen Sie wahrscheinlich bereits. Ich hoffe einfach, dass Sie sich daher im Sinne für unser aller Umwelt und Gesundheit entscheiden.

Abschließend - falls vielleicht doch einmal - entgegen der Meinung der Unternehmen und der Experten - stellenweise etwas schief geht oder sich die ganze Sache später als ökologischer Super-GAU entpuppt, können Sie dann Ihren eigenen Kindern in die Augen schauen, Ihnen das Verfahren des Fracking erklären und Ihnen dann noch mit gutem Gewissen sagen, dass Sie für Fracking waren?

Daher bitte ich Sie, setzen Sie sich für ein echtes, generelles Fracking-Verbot ein!

Vielen Dank.


Mit freundlichen Grüßen

Marc Assmann, 23.06.2016, Wiesbaden

Mitmach-Aktion: Bäume statt CO2-Endlager

In Deutschland werden neue Kohlekraftwerke gebaut, die zusätzlich CO2 produzieren werden. Legitimiert werden sie durch die höchst umstrittene CCS-Technologie. Wir berichteten im Artikel Carbon Capture Storage (CCS) – Zukunftstechnologie?.

Mit der Aktion Bäume statt CO2-Endlager wollen BUND für Umwelt- und Naturschutz Deutschland e.V., ROBIN WOOD e.V., WikiWoods.Org, BruchKultur e.V. und bundesweite Bürgerinitiativen gegen CO2-Endlagerung ein Zeichen setzen und Bäume pflanzen, welche natürliche Kohlenstoffspeicher sind. Mitmachen kann jeder überall noch bis zum 14.11.2010. Ziel sind 10.000 Bäume zu pflanzen. Unabhängig der Streitfrage um die CCS-Technologie eine tolle Aktion wie wir finden.

Marktanreizprogramm (MAP) für erneuerbare Energien wird fortgeführt

Der Haushaltsausschuss des Deutschen Bundestages hat die Haushaltssperre für das Marktanreizprogramm für erneuerbare Energien im Wärmemarkt aufgehoben. Für die Antragsteller bedeutet dies, dass die bislang gesperrten Fördermittel in Höhe von 115 Millionen Euro für die Modernisierung bestehender Heizanlagen in Bestandsgebäuden zur Verfügung stehen. Unter anderem werden Solarkollektoren zur kombinierten Heizungsunterstützung und Warmwasserbereitung, hocheffiziente Wärmepumpen sowie Pelletkessel bezuschusst. Die Förderkonditionen gelten zunächst bis Ende 2011. Hausbesitzer können die MAP-Zuschüsse ab dem 12. Juli 2010 über das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) beantragen.

Unterschriftenliste “Keine Ölbohrungen in der Tiefsee”

Am 20. April explodierte die Bohrplattform “Deepwater Horizon” im Golf von Mexiko. Seitdem strömten aus dem Bohrloch in ca. 1500 m Wassertiefe Rohöl und Erdgas aus. Die bisher ausgetretene Ölmenge wird auf 500.000 bis 1 Million Tonnen geschätzt. Dies ist die schwerste Umweltkatastrophe dieser Art in der Geschichte der Vereinigten Staaten von Amerika und wird noch in Jahrzehnten die Umwelt in dieser Region tiefgreifend belasten.

Diese Katastrophe hat auch gezeigt, wie schwierig es ist, die notwendigen Reparaturarbeiten in diesen Meerestiefen durchzuführen. Aus diesem Grund führt Greenpeace nun eine Unterschriftenaktion durch, um eine generelle Einstellung der Ölförderung in Meerestiefen unterhalb von 200 Metern durchzusetzen.

Bis einschließlich 30. November 2010 können Sie an dieser Aktion teilnehmen und mit Ihrer Unterschrift dazu beitragen, dass solche Katastrophen in Zukunft verhindert werden.

Ihre Stimme können Sie sowohl online als auch schriftlich abgeben. Das Online-Formular finden Sie hier. Die Unterschriftenliste zum Ausdrucken finden Sie hier oder direkt hier als PDF.

Machen Sie mit. Jede Stimme zählt.